Dez 20
Sa. 5. 12.
19.30 Uhr
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Di. 22. 12.
19.30 Uhr
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Sa. 26. 12.
19.30 Uhr
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TOD DER TREUHAND

Stückentwicklung von Carolin Millner
Uraufführung

Uraufführung

Fr.
25. 9.
2020

Schauspielhaus Studio

Die Wiedervereinigung verbindet sich für viele Ostdeutsche mit einem Trauma der Kolonisierung und Deindustrialisierung im Namen der Treuhandanstalt. Eingerichtet mit der Intention, einen nachhaltigen Umgang mit den mehr als 8.500 Volkseigenen Betrieben zu finden, der die Anteilsrechte der DDR-Bürger*innen wahrt, mutierte die Treuhand unter bundesrepublikanischer Verwaltung in den Augen Vieler zur Goldgräber- und Totenanstalt: Privatisierung und Abwicklung, Elitentransfer und Fachkräfteabwanderung. Allein das Magdeburger Kombinat SKET, das größte Schwermaschinenbau-Unternehmen der DDR, musste in diesem Zuge einen Verlust von 10.000 Arbeitnehmer*innen hinnehmen. Das Feindbild des westdeutschen Schreibtischtäters mit schwarzem Aktenkoffer kulminierte in der Ermordung des Treuhand-Präsidenten Detlev Rohwedder, zu der sich die RAF bekannte und die mit angeblichen Stasi-Verwicklungen ähnlich mythologisiert wurde wie die Treuhand selbst. Obwohl die Folgen der wirtschaftlichen Integration der ostdeutschen Länder bis heute spürbar sind, sind das Wissen und die Erzählungen über die Vorgänge in den 90er Jahren beschränkt. Erst allmählich werden die Akten durch das Bundesarchiv der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Regisseurin Carolin Millner begibt sich in ihrer Stückentwicklung auf die Suche nach einem erweiterten Erzählraum dieser Zeit, der die Diskussion wieder neu belebt. Perspektiven von Beteiligten aus Ost wie West werden gleichberechtigt nebeneinander gestellt und neben realpolitischen Vorgängen wird auch von Ansprüchen und Potentialen erzählt.


Diese Inszenierung entstand unter Berücksichtigung der coronabedingten Auflagen.

 

Premierenfieber
So. 13. 9. 2020    11.00 Uhr    Schauspielhaus Bühne


Aufführungsdauer: 1:20 h (ohne Pause)

Pressestimme


Über Wasser, unter Wasser

Die Sprache bleibt durchgängig sehr authentisch in den Texten, aus denen Millners Team das Stück entwickelt hat, als Gemisch aus Verzweiflung im Niedergang und Energie beim Aufbruch in die neue West-Welt repräsentiert das Material die Geister der Zeit: besonders nachdrücklich in einer kleinen Unterrichtsstunde über die Kunst des Klinkenputzens als Vertreter und Verkäufer und gegen Ende im Rückzugsmonolog einer in die Arbeitslosigkeit entlassenen SKET-Mitarbeiterin, die nun den eigenen Garten als feste Burg zum Rückzugs- und Überlebensraum erklärt. Aber ob sich die Betroffenen und Getroffenen nun der Verzweiflung überlassen oder das neue Leben wirklich erobern wollen um jeden Preis: Alle sind sie gezeichnet von der Katastrophe. Sie waren in Lebensgefahr.

Michael LaagesDie Deutsche Bühne online

28. 9. 2020