Solaris

von Stanisław Lem | Bühnenfassung von Tim Staffel

»Wie könnt ihr euch mit dem Ozean verständigen, wenn ihr es nicht einmal untereinander fertigbringt?«
VEUBEKE


Ein Planet, ein Ozean, ein Bewusstsein: Solaris. In seinem Orbit schwebt eine Raumstation, Schauplatz einer futuristischen Kolonialgeschichte, die für die Kolonialisten wie die Ureinwohner verheerend enden muss. Der Psychologe Kelvin reist auf die Solaris-Station, um merkwürdige Vorfälle zu untersuchen und trifft dort auf zwei verstörte Wissenschaftler – der dritte hat sich umgebracht. Was hier vor sich geht, erfährt Kelvin selbst, als plötzlich seine Exfrau Harey auftaucht, die sich nach ihrer Trennung das Leben nahm. Eine Vision? Nein, die »Gäste« sind wirklich da. Solaris nimmt Kontakt auf. Doch da macht der Wahnsinn schon seinen Rundgang. Kelvins Schuldgefühle mischen sich mit der Panik vor Solaris. Und am Ende steht die Frage: die Station aufgeben, dem Wahnsinn verfallen, oder angreifen, den Planeten vernichten? Stanisław Lem hat ein beklemmendes Szenario entwickelt, das sich mit der Selbsterkenntnis und Schuldbewältigung, der Banalität wissenschaftlicher Arbeit, Paranoia und dem völlig Unbekannten beschäftigt.

Der Roman »Solaris« von Stanislaw Lem ist im Claassen Verlag erschienen.

Vorstellungen
Aktuell sind keine weiteren Termine bekannt.

Premiere am Sa. 24. 3. 2018

Regie Lucie Berelowitsch
Raumbühne Christiane Hercher
Kostüme Nadine Hampel
Musik Sylvain Jacques
Dramaturgie David Schliesing/Maiko Miske

Sartorius Uwe Fischer
Snaut Zlatko Maltar
Kris Kelvin Lukas Paul Mundas
Harvey Anne Hoffmann

 


Aufführungsdauer: 1:30 h (ohne Pause)

Video

Pressestimmen

Das Publikum folgte der Inszenierung mit gespannter Aufmerksamkeit. Die Aufführung verzichtet auf jeglichen Science-Fiction-Schauwert. Christiane Hercher schuf eine klare zweigeteilte, sehr ästhetische Raumbühne, lediglich bestückt mit zwei Monitoren und einem weißen Liegemöbel. [...] Die Regisseurin fordert von den Zuschauern hohe Konzentration. Dramatisch aufregende Situationen ereignen sich selten. Ein Black trennt die Szenen jeweils voneinander, signalisiert das Vergehen von Zeit. Veränderungen von Haltungen, Entwicklungen im Erleben der Figuren werden oft nur angerissen. Es gibt eine hohe Fokussierung auf das Wort. Lucie Berelowitsch peppt die Inszenierung weder durch Humor noch durch Grusel auf. Langeweile entsteht dennoch nicht.

Gisela Begrich, Volksstimme,
26. 3. 2018

Doch diese philosophischen Dia- und teilweise auch Monologe sorgen nicht nur beim Publikum für eine hohe Aufmerksamkeit, sondern sie fühlen mit und denken selbst über das nach, was sie soeben aufgeschnappt haben. Sie sind teilweise so emotional, dass ein paar der Rezipienten bei der Premiere Tränen in den Augen hatten. Ob Berelowitsch darauf abzielen möchte, bleibt offen. [...]
Mundas‘ Kelvin wird äußerst emotional und hat Schwierigkeiten das Erlebte zu verarbeiten und in den richtigen Kontext zu setzen. In dieser Inszenierung stellt er erneut unter beweis, dass er auch ernste Rollen gut verkörpern kann. Auch Anne Hoffmann entwickelt ihre Harey von der ahnungslosen zur wissbegierigen und eigenständigen Frau. Sie fordert immer mehr Wissen ein, um zu verstehen, wer oder was sie ist. Hoffmann spielt auch diese Rolle mit voller Hingabe und beweist dem Magdeburger Publikum erneut, dass sie ihren Job mit Haut und Haaren liebt. Snaut, der von Zlatko Maltar verkörpert wird, findet sich leicht mit den Dingen ab, so wie sie stehen. Jeglicher Elan ist ihm verloren gegangen. Aber zusammen mit Uwe Fischer sorgt er für den ein oder anderen Lacher aus dem Publikum, wobei Humor in dieser Inszenierung nicht auf der Tagesordnung steht. Fischer wirkt gespalten und panisch, was er nicht nur durch seine Aussagen, sondern auch durch sein unruhiges Auftreten unterstreicht. Alle vier nehmen die Zuschauer mit auf eine ungewöhnliche Reise und schaffen es, sie durchgehend zu fesseln.

Anna-Lena Kramer,
annalenakramer.wordpress.com
26. 3. 2018