PARADIES Exkursionen

Mit unseren »Paradies-Exkursionen« präsentieren wir in unterschiedlichen Formaten ein Cross-over aus Wissenschaft und Performance mit Unterhaltungsfaktor. Dabei berühren wir die Fragen gesellschaftlichen Zusammenlebens in Gegenwart und Zukunft gleichermaßen wie skurriles Nachdenken und spannende Fakten jenseits des alltäglichen Wahnsinns.

# Der futurologische Kongress

1924 – Karel Čapek hat Autoren und Künstler zum Futurologischen Kongress geladen. Hier tauschen er und seine Zeitgenossen ihre Texte und utopisch-futurologische Gedanken aus. Jules Verne kann leider nicht da sein, er ist bereits tot. H. G. Wells wurde nicht eingeladen, vielleicht schaut er heimlich aus der letzten Reihe zu. Stanisław Lem wird gerade geboren und erfährt davon später. Jewgeni Samjatin aber ist gerade fertig geworden mit seinem Roman »Wir« und legt damit die Grundlage für dystopische Science-Fiction-Literatur. Heute, knapp 100 Jahre später, sind wir angekommen in ihrer Zukunft. In »Der futurologische Kongress« entdecken wir die Sci-Fi-Literatur des frühen 20. Jahrhunderts, reisen zurück in die Zukunft und betrachten sie aus der fernen Gegenwart.
 

Vorstellungen
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# Nauru

Ein malerisches Paradies, die südpazifische Insel Nauru, das einst reichste Eiland auf der Erde. Jahrtausende lang haben Zugvögel hier ihre Notdurft verrichtet, die sich allmählich in wertvollen Phosphor umwandelte. Sein Abbau machte die Insulaner schlagartig reich. Doch mit dem Wohlstand zog bald auch die Wohlstandsverwahrlosung auf die Insel ein. Aufstieg und Fall einer Gesellschaft im Schnelldurchlauf. In einem Diavortrag präsentieren wir den Mikrokosmos »Nauru« und kommen dem Werden und Vergehen kapitalistisch ausgerichteter Gesellschaften auf die Spur.
 

# Morgen werde ich Idiot

Die Zeit ist reif für Veränderungen. In unserer Performance »Morgen werde ich Idiot« spielen wir die Formen des zivilen Ungehorsams durch, die Auswüchse des Widerstands, das Ausbrechen von Revolutionen und fragen uns, warum der Kapitalismus unverwundbar zu sein scheint. Wer kann diesem allen Widerstand assimilierenden System noch gefährlich werden? Und ist das überhaupt nötig? Und was hat all das mit Idioten zu tun?

Exkursionen 2018/2019

Eine Positionsbestimmung, ein stichpunktartiges Nachdenken – das sind Manifeste. Ob politisch, gesellschaftlich oder in der Kunst verankert: Sie sind Appelle, Aufruf, ästhetisches Programm. Manifeste wollen aufbrechen, wo das Denken sich verfestigt hat, sie treiben Keile in Gewohnheiten. In den diesjährigen Exkursionen widmen wir uns den »Manifesten der Moderne«, gehen ihren Ideen auf den Grund, betrachten ihre Wirkungen und holen sie in den Diskurs der Gegenwart. 

# 1 Manifeste des Futurismus

Sie waren Prediger einer brutalen Avantgarde: Sie liebten den Tod, hassten das Ich, verherrlichten das Auto, verteufelten Langsamkeit, priesen Maschinen und verdammten den Menschen. Am 20. Februar 1909 rief Filippo Marinetti sein »Manifest des Futurismus« aus und verlieh damit dem Totalitarismus eine ästhetische Form: »Wir wollen preisen die angriffslustige Bewegung, die ebrige Schlaflosigkeit, den Laufschritt, den Salto mortale, die Ohrfeige und den Faustschlag. Wir erklären, dass sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit.« 

# 2 Dadaistisches Manifest

»Was ist Dada? Eine Kunst? Eine Philosophie? Eine Politik? Oder: Staatsreligion? Ist dada wirkliche Energie? Oder ist es gar nichts, d. h. alles?« Dada ist keine Kunstrichtung. Dada will gelebt werden. Dada ist ein Geisteszustand: Sie können vergnügt, traurig, bedrückt, fröhlich, schwermütig oder dada sein. Lassen Sie uns also ein wenig dada sein! 

# 3 S.C.U.M. Manifest der »Gesellschaft zur Abschaffung der Männer«

Juni 1968: Valerie Solanas borgt sich Geld, kauft eine Pistole, geht in die »Factory« und feuert auf Andy Warhol. Vor Gericht erklärt sie später: »Es geschieht nicht oft, dass ich jemanden erschieße. Lest mein Manifest, das erklärt euch, wer ich bin.« Solanas war Gründerin und einziges Mitglied der »Society for Cutting Up Men«. In ihrem 50-seitigen Manifest schreibt sie den Männern die Schuld an jedem Übel der modernen Welt zu und fordert, das männliche Geschlecht zu vernichten. Der Ton dieser Hasstirade von 1971 ist kühl, logisch und vor allem sehr komisch. Eine brillante Satire und ein provokantes Gedankenspiel: Männer – brauchen wir sie noch?