König Ubu

von Alfred Jarry | Eine Machtposse des kleinen Mannes

»In der Tat rauschen wir mit einer Geschwindigkeit dahin, welche an Wunder grenzt. Wir fahren bestimmt eine Millionen Knoten pro Stunde. Diese Knoten haben übrigens den Vorteil, dass sie einmal geknüpft, nicht wieder aufgehen. Allerdings haben wir ja auch Rückenwind.«
Vater Ubu

Ein Königsdrama shakespearschen Ausmaßes spielt sich da ab in Polen. Ein neuer Herrscher krempelt erst einmal den ganzen Staat auf rechts. Zuerst muss das Justizsystem dran glauben, dann die Staatskasse. Und nein, die Rede ist nicht vom Polen der Gegenwart. Es ist der Ort, an dem sich Alfred Jarrys 1896 uraufgeführte Machtposse abspielt. Vater Ubu – fett, faul, mit Hang zur Fäkalsprache – wird von Mutter Ubu zum Staatsputsch gedrängt. Mit Hilfe von Verrätern gelingt der Umsturz. Das Volk feiert frenetisch, doch kaschiert der Jubel das, was dann kommt. Ubu will nur eines: Geld. Und so geht er seinen Untertanen an die Wäsche, presst ihnen auch das letzte Hemd ab. Für Disziplin und Ordnung sorgen neue Folterinstrumente wie die »Gehirnzerquetschmaschine«. Erst der Krieg gegen Russland bricht Ubus Machtrausch, wie einst den Napoleons und eines anderen, deutschen Diktators. Das vergangene Jahrhundert kennt viele Ubus. Alfred Jarry zeichnet in seiner Groteske den König der Diktatoren als einen geldgeilen, jähzornigen und kleingeistigen Tyrannen. Und dabei wird klar, dass Lächerlichkeit töten kann, aber den anderen, nicht den Lächerlichen selbst.

Vorstellungen
Aktuell sind keine weiteren Termine bekannt.

Regie/Bühne Andrzej Woron
Kostüme Hanna Sibilski
Musik und Sounddesign Torsten Knoll
Choreografie und szenische Mitarbeit Martin Stiefermann
Dramaturgie David Schliesing

Vater Ubu Thomas Schneider
Mutter Ubu Susi Wirth
Hauptmann Bordure Zlatko Maltar
König Burkhard Wolf
Königin Michaela Winterstein
Bougrelas Alexander von Säbel
Cotice Marian Kindermann
Giron Raphael Kübler
Volk/Bauern/Soldaten/Bootsmänner Bote/Schatten/Michael/Finanzrat/Richterin Stanislas/Zar/Laski/Renski/Bär/Kapitän Ensemble
Cheerleader Milena Ziethen Georgina von der Gablentz
Judo-Mädchen/Soldaten Maria Zenker/Celine Ebeling

Statisterie des Theaters Magdeburg

Video

Pressestimmen

Regisseur Woron lässt auf der von ihm selbst gestalteten Bühne vorführen, was geschieht, wenn solche Ubus die Machtstrippen ziehen. Das Volk wird manipuliert und brüllt »Es lebe König Ubu!«, um später verdoppelte Steuern zahlen zu dürfen. [...] Die Kostüme von Hanna Sibilski nehmen Uniformen in ulkigster Manier auf die Schippe. Sie sind auch eine Parade von dem, was Fundus und Schneiderwerkstatt hergeben. Bunt, albern, skurril. Das Ensemble trötet am neuen Herrscher vorbei, Sound-Designer Torsten Knoll liefert live Geräusche und Musik, gibt mit seinem Können der Inszenierung einen besonderen Kick. Woron schafft auf der Bühne eine opulente Bilderflut voller Ideen. [...] Das Ensemble agiert mit einer professionellen Ernsthaftigkeit und Konzentriertheit. Jeder lebt mit vollem Körpereinsatz seine närrischen Figuren, wechselt im turbulenten Geschehen scheinbar mühelos in viele Rollen. In haarsträubende Kostüme gepackt (Federboas auf dem Kopfe oder mit angeklebten Mini-Schniepeln) und irrsinnige Sätze sprechend, bringen Zlatko Maltar, Michaela Winterstein, Marian Kindermann, Raphael Kübler, Alexander von Säbel und Burkhard Wolf ihr Spiel durch. Letztgenannter amüsiert insbesondere als Zar respektive Putin. [...] Die Inszenierung insgesamt ist stark und frech. Die gesellschaftskritische Aussage des Stücks ist zeitlos, doch sie wirkt genau jetzt.

Claudia Klupsch, Volkssimme, 17. 10. 2016