Foxfinder

von Dawn King | Ein Jägerstück auf dem Lande | Deutsch von Anne Rabe

»Ihr, Foxfinder, müsst rein sein in Körper und Geist. Bedenkt stets, dass auch die kleinste Charakterschwäche zu dem Spalt werden kann, in den die Bestie eindringt, wie das Wasser, das den Frost erwartet, um den Stein in Stücke zu teilen.«
William

In einer ländlichen Region eines totalitär regierten Englands: Die Bauern Judith und Samuel geraten ins Visier der Behörden. Aufgrund schlechten Wetters wird ihr Hof die geforderte Erntenorm nicht halten können. Eine Untersuchung wird daraufhin eingeleitet, geführt von dem jungen William. Der quartiert sich bei den Eheleuten ein und dringt mit höchst intimen Fragen in ihr Leben. Als »Foxfinder« hat er zu ermitteln, ob etwa Füchse für die Misere der umliegenden Bauernhöfe verantwortlich sind. Füchse – so hat William von klein auf gelernt – sind der Todfeind und an allem schuld. Die kontaminieren Böden, manipulieren den menschlichen Geist, töten kleine Kinder. Dass William nie einen Fuchs gesehen hat, bestätigt seinen Wahn: Sie müssen existieren. Seine Besessenheit lässt die Dorfgemeinschaft implodieren: Misstrauen und Angst verwandeln Freundschaft in Verrat. Geschickt zeichnet die britische Autorin Dawn King in ihrer dystopisch kafkaesken Parabel das Bild eines auf Angst setzenden Fundamentalismus, verpackt in grotesk-komische Situationen des alltäglichen Landlebens mit einem gehörigen Schuss düsterer Unheimlichkeit.

»Foxfinder« von Dawn King ist auch als eBook erschienen. Über die Website www.textbuehne.eu können Sie das Theaterstück in diversen Online-Shops bestellen.

Vorstellungen
Aktuell sind keine weiteren Termine bekannt.

Regie Konradin Kunze
Ausstattung Lea Dietrich
Dramaturgie Maiko Miske

William Cornelius Gebert
Judith Iris Albrecht
Samuel Sebastian Reck
Sarah Susi Wirth

Video

Pressestimmen

Judith Covey wird von Iris Albrecht gespielt. Sie bringt den Wechsel des Ausdrucks von naiver Hilflosigkeit, Angst und aggressiven Ausbrüchen wirkungsvoll auf den Punkt. Das Paar hat seinen Sohn durch einen tragischen Unfall verloren. [...] Der Foxfinder William Bloor, höchst exzessiv und bei der Selbstkasteiung beinah masochistisch von Cornelius Gebert gespielt, ist das Werkzeug, der Stellvertreter für die unsichtbaren Mächte, die über die Landgesellschaft herrschen. Zu der gehört auch die Nachbarin der Coveys, gegeben von Susi Wirth, Sinnbild des Zerbrechens der menschlichen Bindungen unter dem unsichtbaren, aber um so fühlbareren Druck.

Rolf-Dietmar Schmidt, Volksstimme, 12. 12. 2016

 

Man hat dieses Setting, diese Bilder und diese Konflikte bereits alle irgendwo einmal gesehen. Es ist die große Leistung der Inszenierung von Konradin Kunze, dass er die Geschichte trotzdem spannend erzählt. Mittels einer stimmungsvollen Lichtregie überträgt er die klaustrophobische Atmosphäre der Fabel ohne Brüche auf die Zuschauer.
Die Inszenierung [...] erzählt sehr gekonnt ein Kammerspiel zwischen vier Personen, das einem vor allem durch die Schauspieler packt, die in einem nur noch selten zu findenden, filmischen Realismus absolut glaubwürdig ihre Figuren entwickeln.

Alexander Kohlmann, nachtkritik.de, 9. 12. 2016