Das Mädchen mit den Streichhölzern

von Klim | Ein Monolog im Dunkel der Erinnerung |
Deutsch von Lydia Nagel |
Deutschsprachige Erstaufführung

»Zu guter Letzt können Sie verstehen, wie blinde Menschen sich ineinander verlieben«
S. Vorotzow

»Das Mädchen mit den Streichhölzern« ist ein Spiel für eine Frau und die Dunkelheit. Dorthin jedenfalls entführt sie den Zuschauer und spricht, redet, erzählt. Ihre Stimme erweckt seine Sinne, die sich im Dunkel noch verstärken. Es gibt keine Bilder, die vom Strom der Worte ablenken können. Nur die Töne ihrer Stimme – ein Monolog der Erinnerung, bald einem Delirium gleich – erschaffen ein Theater der Blinden. Das Mädchen redet einen Kosmos herbei und erzählt von Leben und Tod, Liebe und Wahnsinn, Leid und Träumen, aufwühlenden Gefühlen und der ständigen Suche nach dem eigenen Selbst. Und je mehr das Mädchen mit dem Zuschauer spricht, desto näher kommen sie sich. Das Dunkel verbindet Redende und Zuhörer. Das Dunkel wird der Schutzraum. Und so wird klar: Hier kann offengelegt werden, was im Leben oft im Verborgenen bleibt. Die Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit und mancher Umriss des Lebens und schattenartige Erinnerungen werden sichtbar. Und vielleicht ist es so, dass der Mensch öfter im Dunklen tappt. Aber wo ein Schatten ist, da ist auch Licht.

Vorstellungen
Samstag
9. 12. 2017
19.30 Schauspielhaus / Studio
Abendbesetzung: Susi Wirth
Tickets
Mittwoch
27. 12. 2017
19.30 Schauspielhaus / Studio
Abendbesetzung: Susi Wirth
Tickets
Sonntag
14. 1. 2018
18.00 Schauspielhaus / Studio
Abendbesetzung: Susi Wirth
Tickets

Regie/Bühne/Kostüme Vlad Troitsky
Dramaturgie David Schliesing
Mit Susi Wirth

Pressestimmen

Der Regisseur hat neben der exzellenten Textvorlage einen weiteren Trumpf: die starke Schauspielerin Susi Wirth. Sie hat er hervorragend in ihre Rolle gebracht. In den ersten Momenten der noch beleuchteten Aktionsfläche zeigt sie sich als Frau, die sich eher vorsichtig ihrem Publikum nähert, sich zunächst an die Wand drückt, dann ihren Platz findet.Sie beginnt zu reden mit dieser besonderen Klangfarbe ihrer Stimme und in klarer konsonantenbetonter Aussprache. Sätze schlagen ein, wie »Dem Glücklichen schlägt keine Stunde« und »Es geht nicht um das Schweigen, es geht um die Stille«. Ihre Erinnerung an die Zeit, als sie die kleine Prinzessin ihrer Eltern war, endet abrupt. Das Licht geht aus. Bühne, Zuschauerreihen im Dunkeln, duster, keine Ahnung mehr von Licht und Helligkeit, keine Schemen vom Nebenmann, nichts. So viel Schwärze drückt auf den Körper, verschüttet in der Dunkelheit, in beklemmender Düsternis. Von vorn, dort, wo noch eben die Frau zu sehen war, redet es weiter. Susi Wirths Stimme beherrscht den Raum, das Schauspiel liegt einzig in der Stimme. [...] »Theater kann alles sein außer langweilig«, sagt die Frau auf der Bühne. Alles außer langweilig ist »Das Mädchen mit den Streichhölzern«.

Claudia Klupsch, Volksstimme, 11. 3. 2017