Bin nebenan. Monologe für zuhause

Ingrid Lausund

»durch die wohnung gehen mit option auf wilde freude. wo passt denn wilde freude hin. sofa blumenvase stehlampe. versuch mit stehlampe. hey das ist ja eine tolle lampe. steht da wie ne eins und leuchtet. hey das ist doch super hey. haha.«


Obwohl man Tür an Tür lebt, bleibt das Leben der Nachbarn verborgen. In Ingrid Lausunds Monologen werden diese Türen einen Spalt breit geöffnet, um einen Blick hinein zu erhaschen. Hinter einem Schutzwall, den sie ihr Zuhause nennen, haben sich Frauen und Männern eingerichtet gegen die bedrohliche Außenwelt. In ihren Geschichten offenbaren diese skurrilen Zeitgenossen mit ihren krampfhaft einstudierten Gemütlichkeitsritualen ihre Wohlstandsneurosen, Beziehungsunfähigkeit und Einsamkeit. Die Wohnungen sind aufgeräumt, ausgestattet mit aufwendig ausgesuchten Möbeln und Accessoires – dekorativ und die eigene Individualität unterstreichend. Die Teekanne aus der teuren Sonderkollektion »Tausend und eine Nacht« wird extra für die türkische Haushaltshilfe aus dem Schrank geholt. Die Gummipuppe, liebevoll »die Jezebel« genannt, wird nach der Benutzung pedantisch gesäubert und zusammengefaltet wieder im Schrank verstaut, bevor man sich neben das Plüschzebra ins ebenso reinlich gehaltene Bett legt. Unter jedem Sofa, Esstisch, Einfamilienhaus oder schön drapiertem Kissen lauert das emotionale Chaos. Das Lächeln, das bleibt, wenn die Türen wieder geschlossen werden, ist ein bitteres.

Im Rahmen des »Sprungbretts« entsteht »Bin nebenan. Monologe für zuhause« als zweite Produktion dieser neuen Reihe, in der Regie-, Ausstattungs- und Dramaturgieassistenten des Theaters Magdeburg die Möglichkeit haben, mit dem Ensemble des Schauspielhauses eine eigene Produktion zu realisieren und erste eigene Inszenierungserfahrungen zu sammeln.

Vorstellungen
Aktuell sind keine weiteren Termine bekannt.

Regie Grit Lukas
Bühne/Kostüme Nadine Hampel
Dramaturgie Laura Busch

Mit Sybille Weiser, Konstantin Lindhorst, Ralph Opferkuch

Video

Pressestimmen

Regieassistentin Grit Lukas legte mit dem tragikomischen Text von Ingrid Lausund ein furioses Regiedebüt hin. [...] Das junge Damentrio präsentierte einen minutiös durchdachten, äußerst stimmigen Theaterabend, der vor allem - was selten zu erleben ist - in erster Linie den Darstellern vertraut und ein Schauspiel der Extraklasse bietet. [...] Lukas stehen mit Heide Kalisch, Ralph Opferkuch und Konstantin Lindhorst Schauspieler zur Verfügung, die sich die schlaglichtartigen Texte mit sichtlichem Spielspaß vor allem auch in den jeweiligen Soloauftritten der häuslichen Anti-Helden zu eigen machen. [...] Das Premierenpublikum applaudierte minutenlang. Klare Empfehlung!

Kathrin Singer, 1. 2. 2016,
Magdeburger Volksstimme

Fünf Geschichten werden getrennt durch ein musikalisches Thema bzw. choreografierte Umbauten erzählt, wobei jede*r der Spielenden Heide Kalisch, Konstantin Lindhorst und Ralph Opferkuch die Möglichkeit erhält einen Part allein zu präsentieren. Dramatisierung und Überhöhung der Situationen bzw. Gedanken bestechen in den Episoden. Ausnahme ist das beklemmende Szenarium um ein ehemaliges Heimkind. Ralph Opferkuchs Monolog überzeugt ernsthaft und wirkt deprimierend. Eine reife Leistung nicht ins clowneske zu verfallen, sondern immer nur ein bisschen Optimismus zu streuen. [...] Obwohl größtenteils mit Kartons hantiert wird, entstehen spannende Geschichten auf der Bühne. Über Sprache werden den Kisten Bedeutungen und relevante Bestimmungen in der Wohnung zugewiesen. Wie die Regisseurin, so vertrauen auch die Spieler dem Text (Dramaturgie: Laura Busch), ebenso tut es das Publikum, weil es den Akteuren vertraut. Immens, welche Imaginationsleistung hier geschieht.

Lydia Flössel, Magdeboogie,
9. 2. 2016