Hauptsache Arbeit!

von Sibylle Berg | Straßenfeger von Frau Berg

»Morgens, wenn ich das Haus verlasse, das nicht mein Haus ist, herrscht dort ein Geruch nach schlafenden Kindern. Wenn ich abends zurückkehre, riecht es nach schlafenden Kindern. An den Wochenenden staune ich, wer da so alles wohnt, in dem Haus, das ich bezahle.«
Mann

Die Beschäftigungszahl in der Firma muss sinken. Da mietet der Chef passenderweise einen Vergnügungsdampfer für die Geschäftsjahresabschlussfeier. Auf dem Tanzdeck verkündet er, dass zum Wohle der Bilanzen Entlassungen anstehen. Es werden paardynamische Spiele veranstaltet, deren Gewinner ihren Arbeitsplatz behalten sollen. Sogleich bringt sich die Belegschaft in Stellung für den Kampf um die Anstellung. Ein Motivationstrainer hat die zweifelhafte Spielleitung und es sind am Ende die Ratten, die das Schiff lebend verlassen.

Ein groteskes, schwarzhumoriges Stück über den Stellenwert der gegenwärtig wichtigsten Hauptsache der Welt – den Arbeitsplatz – und die Frage, ob der arbeitende Mensch noch Mensch ist, oder längst nur noch Rädchen im selektierenden System des Humankapitalmarktes.

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Pressestimmen

Wie es sich für eine Groteske gehört, ist alles absurd übertrieben und zugespitzt. Thiel setzt dies auch szenisch wirkungsvoll um. [...] Das [schauspielerische Können] der Frauen sticht hervor. Sonka Vogt zeigt das zwarte Sensibelchen [...]. Sybille Weiser nacht die vom Leben enttäuschte Frau glaubhaft [...]. Alexander von Säbel zeigt die Angst des Angesteelten vor Verlust an Struktur. [...] Philipp Quest macht deutlich, was die Panik mit einem anstellt, nicht mehr fit und sportlich genug für den Job zu sein. Oliver Chomik verkörpert den um seine tödlich verunglückte Frau Trauernden [...]. Konstantin Marsch spielt das miese Schwein vom Chef im blütenweißen Anzug. [...] Ratten! Marie Ulbricht und Timo Hastenpflug geben sie als widerliche in engen Leder-Anzügen gekleidete Gestalten. [...] Marie Ulbricht brilliert als »Motivationstrainer« [...].

Claudia Klupsch, Magdeburgische Volksstimme,
8. 2. 2016