Balkanmusik

von Daniel Mezger | Ein Road-Trip auf den Balkan

»Ich wache auf im Osten. Ein leerer Platz, keine Bühne, kein einziger Mensch. Man schaut sich um und es ist seltsam. Seltsame Welt. Seltsam, dass ich da drin vorkomme.«
Robert

Sie sind Jungs, haben eine Band und singen gegen den Kapitalismus. Irgendwie und ohne Wirkung. Mit Musik allein lässt sich nichts ändern. Und so – von einer seltsamen Sehnsucht nach Versehrtheit getrieben – reisen die drei auf den Balkan. An jenen Ort, an dem gerade noch Krieg herrschte. Aber kaum angekommen, werden sie entführt. Von echten Rebellen. Die drei sollen dem Widerstand eine Revolutionshymne schreiben. Sie sehen sich Menschen gegenüber, die umsetzen, was sie sagen, und das notfalls mit Gewalt. Das ist faszinierend, sicher, aber wohl auch nicht ganz korrekt. Den Kapitalismus bekämpfen, das wollen die drei auch. Aber so konkret, so echt? Die Band zerbricht am Grad zwischen Radikalisierung und political correctness. Und dann gibt es ja noch die Tochter des Rebellenführers. Man spürt »echtes« Leben und weiß nicht so recht, was man damit soll. In seiner rockig-frechen Komödie spielt Daniel Mezger mit der Sehnsucht nach dem »echten« Erlebnis in unserer wattegebauschten Gesellschaft, und was mit Menschen passieren kann, die plötzlich wirklicher Gewalt gegenüber stehen.

Vorstellungen
Mittwoch
24. 5. 2017
11.00 Schauspielhaus / Studio
Tickets
Mittwoch
24. 5. 2017
19.30 Schauspielhaus / Studio
Tickets
Donnerstag
1. 6. 2017
19.30 Schauspielhaus / Studio
Tickets

Video

Pressestimmen

Robert, Niklas und Moritz sind in dem Stück »Balkanmusik« drei blutjunge Musiker, die sich zu einem Musikfestival in eine Gegend aufmachen, in der man kyrillische Buchstaben schreibt. Timo Hastenpflug, Ralph Opferkuch und Philipp Quest sind dafür eine Idealbesetzung. Man glaubt ihnen aufs Wort, wenn sie sich zwischen Freiheit, Abenteuer, Demokratie, Krieg, Liebe, Verrat und vor allem Illusionen hoffnungslos verheddern. Sebastian Reck ist der skrupellose Rebellenführer, dessen Zynismus des Widerspruchs zwischen der Forderung nach einer Freiheitshymne und seinem Ansinnen, die Jungs sowieso zu erschießen, den Zuschauer bei aller Ironie des Stücks schaudern lässt. Und dann ist da Mirjana, hervorragend in ihrer inneren Zerrissenheit von Marie Ulbricht gespielt, die eigentlich nur ein Ziel hat: Deutschland. Für sie, die genau weiß, was passieren wird, sind die drei Musiker nur eine Chance, von dort wegzukommen, wofür ihr jedes Mittel recht ist.
Regisseur Jan Koslowski gelingt es sehr überzeugend, den allmählichen Verlust der Illusionen der Geiseln deutlich zu machen. Die Gedankenwelt, »dass die das doch nicht machen können«, verliert sich ganz allmählich. So wie das Stück sich selbst nicht richtig ernst nimmt, machen es auch die Musiker, um dann erschreckt festzustellen, dass es letztlich blutiger Ernst und kein Abenteuerspiel ist.
[...] Wer immer an sein Leben mehr Ansprüche als Haus und Auto hat, wird in diesem Theaterstück jede Menge Anregungen zu Diskussionen und vor allem zum Nachdenken finden. Schon deshalb sollte man es sich unbedingt ansehen.

Rolf-Dietmar Schmidt, Volksstimme, 17. 10. 2016