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Titus

Wolfgang Amadeus Mozart
 

La clemenza di Tito
Oper in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart
Reduzierte Orchester-Fassung von Anna Skryleva
Libretto von Caterino Mazzolà
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere

Sa.
12. 9.
2020

Opernhaus Bühne

Wolfgang Amadeus Mozart gilt als Revolutionär des Musiktheaters, dem es in Werken wie »Figaros Hochzeit« und »Don Giovanni« gelang, die volkstümliche Form der Opera buffa musikdramaturgisch konsequent zu verdichten. Doch Mozart setzte sich zeitlebens auch mit der überkommenen Form der Opera seria mit ihren antiken Helden und Herrschern auseinander – zumal, wenn ein lukrativer Kompositionsauftrag winkte. So 1791, als ihn mitten in der Arbeit an der »Zauberflöte« der Auftrag erreichte, eine Krönungsoper für Prag zu schreiben. Dass sich die Verantwortlichen für ein bereits vielfach vertontes Libretto von Altmeister Pietro Metastasio über den als idealen Herrscher gerühmten römischen Kaiser Titus entschieden, wirft ein Licht auf die spannungsgeladene politische Situation: Anlässlich der Krönung Kaiser Leopolds II. zum König von Böhmen sollte die Festoper den neuen Herrscher feiern, ihm aber auch seine verantwortungsvolle Position bewusst machen. Mozart und sein Librettist Mazzolà dynamisierten den szenischen Ablauf der Vorlage, reduzierten die Anzahl der Arien und fügten zahlreiche, für die Opera seria eher untypische Ensembles ein. So schärften sie das Bewusstsein für die Zwiespältigkeit der titelgebenden »Gnade« des Titus: Ist ein gnädiger, seinen Feinden verzeihender König wirklich der bessere Herrscher oder verbirgt sich hinter der »lieblich anmutenden Gnade nichts anderes als die kleine hübsche Schwester der hässlichen Willkür«, wie Rainer Erlinger anlässlich der Begnadigung des früheren RAF-Terroristen Christian Klar schrieb?


Diese Inszenierung entstand unter Berücksichtigung der coronabedingten Auflagen.

Musikalische Leitung GMD Anna Skryleva
Regie, Bühne Dietrich W. Hilsdorf
Kostüme Carola Volles
Dramaturgie Ulrike Schröder
Choreinstudierung Philipp Schweizer, Martin Wagner

Titus Emanuele D’Aguanno
Vitellia Noa Danon
Sextus Emilie Renard
Servilia Hyejin Lee
Annius Isabel Stüber Malagamba
Publius Marko Pantelić
Berenike Marianne Leineweber
Lentulus Marcel Reitter

Opernchor des Theaters Magdeburg
Magdeburgische Philharmonie

Video

Pressestimme

 

Souveräner Auftritt von Renard

Es gibt eine ganze Oper. Mit Pause und sogar mit Gastronomie. Das bietet auch nicht jeder. Zweieinhalb Stunden Mozart sind per se ein Gewinn. Noch dazu, wenn die musikalische Energie, die den Saal flutet, vor allem aber die Schlüssigkeit der Darstellung im Verlaufe des Abends deutlich zunimmt und am Ende, nach anfänglichen Beiläufigkeiten im Ganzen überzeugt. Hilsdorf setzt […] auf das Ausleuchten der individuellen Auswirkungen auf die Akteure. Als seine eigentliche Gegenspielerin ist […] Vitellia bei der Magdeburger Haus-Primadonna Noa Danon bestens aufgehoben. Auch sie steigert sich bis zu ihrem großen Schlussgeständnis der eigenen Schuld. Als Sextus pirscht sich Emilie Renard zunächst an die Rolle des Liebhabers, Kaiserfreundes und Attentäters heran. Und gewinnt – vokal souverän – Größe, wenn er seine wahren Gründe für den Verrat am Freund nicht preisgibt, um nicht noch mehr Schaden anzurichten […]. Renard liefert am Ende neben Danon die überzeugendste stimmliche und darstellerische Leistung des Abends. Am Ende gehen Orchester und Protagonisten Schulter an Schulter (bzw. Ton an Ton) durchs Ziel und geben mit dem letzten Ton und dem Einfrieren der Bühne den Weg zum Nach-Denken frei.

Roberto Becker Concerti

13. 9. 2020



Renard und Danon überzeugen

Unter den drei in der ersten Reihe hat Emanuele D’Aguanno in der Rolle des Kaisers zwar eine wohlklingende Stimme aber erreicht nicht die Diktion der anderen. Noa Danon hat natürlich die Durchschlagskraft und das darstellerische Charisma für eine intrigante und dann doch über sich hinauswachsende Vitellia. Emilie Renard beginnt mit präziser Artikulation und beweglichem Spiel erst als jugendlicher Rebell, wächst aber schnell in die tragische Größe ihrer Rolle hinein. Renard und Danon hinterlassen den stärksten Eindruck in dieser Produktion, die vom Premierenpublikum mit dankbarem Beifall aufgenommen wurde.

Joachim Lange nmz online

14. 9. 2020

 

 


Mit Abstand eine gelungene Premiere

Das junge Sängerensemble jedenfalls sprühte vor Spiel- und Sangesfreude; bei aller Melancholie des Stückes. […] Die Hauptperson Sextus muss sich nach ihrem Verrat am Kaiser und Freund Titus neu finden. Emilie Renard sang und spielte diesen jungen Mann, der, von der glamourösen Vitellia zu Mordversuch und Brandstiftung aufgehetzt, zum Tode verurteilt und begnadigt wird. Die vibrierende Jugendlichkeit, die Verführbarkeit und tiefe Reue ihrer Figur brachte Renard sehr anrührend auf die Bühne; stimmlich perfekt im lebendig durchpulsten, nie aber übermäßig dramatischen Mozart-Duktus. Insgesamt stand ein junges Ensemble auf der Bühne, das man rundweg gern hörte und sah. Für Stimmen und Figuren hat die Magdeburger Oper schon öfter ein gutes Gefühl bewiesen. Die Orchesterchefin Anna Skryleva hat eine reduzierte Fassung für die „Titus“-Instrumentalbesetzung geschaffen. Der Orchesterklang war entsprechend durchsichtig, die Musiker hatten konzentriert gut zu tun und lieferten unter Anna Skryleva eine solide Leistung ab. Die instrumentale Glanzleistung des Abends bot denn auch der Klarinettist des 1. Aktes […].Überhaupt große Freude im Haus; Dankbarkeit, endlich wieder Oper live zu haben.

Irene Constantin Volksstimme

14. 9. 2020



Der strahlende Stern ist Emilie Renard

[…] Wenn Emilie Renard, der weithin strahlende Stern dieses Abends, gezeichnet von der Folter durch die Schergen des sadistischen Publio (ein markiger Bariton: Marko Panteliæ) ihr innig-schmerzliches A- Dur-Rondo in den dunklen Saal haucht, dann möchte man vor Glück niederknien. Nur einer verweigert sich: der Kaiser. Während Sesto fleht, bangt und bibbert, betrachtet er mit größtem Interesse jenes Weinglas, das er in den Händen hält. Deutlicher kann man die Arroganz des unaufgeklärten absolutistischen Herrschers kaum illustrieren. Und Hilsdorf bleibt hier konsequent bis zum Schlussbild.

Jürgen Otten Opernwelt

November 2020

 


 

Einfühlsame Philharmonie erntet Beifall

Einen großen Anteil an dem Erfolg der Oper „Titus” […] hat Generalmusikdirektorin Anna Skryleva, die die verkleinerte Magdeburgische Philharmonie höchst einfühlsam durch den Abend führte und zu Recht dafür stürmischen Beifall bekam.

Rolf-Dietmar Schmidt Aspekt Magazin

Oktober 2020



Delikate Dirigentin Anna Skryleva

[…] die Musik bekam etwas transparentes, also fast so etwas kammermusikalisches. Übrigens auch sehr delikat dirigiert von Anna Skryleva. Was für eine wunderbare Entscheidung diese Frau zur Generalmusikdirektorin zu machen. […] Es war schon beeindrucken, wie gut Die das gelöst haben. […] Die Figuren wurden in barocker Kostüme gesteckt und für das 21, Jahrhundert erstaunlich distanziert in Szene gesetzt, im buchstäblichen Sinne.

Mathias Käther MDR Kultur

14. 9. 2020



Ensemble mit hoher Solo-Qualität

Emilie Renard füllt die Rolle des Sextus als Freund von Kaiser Titus mit erschütternder Tiefe. Ihre Darstellung des Konflikts zwischen Freundschaft zum Kaiser und Liebe zur Kaisertochter Vitellia (glänzend Noa Danon) […] geht unter die Haut. Ganz große Gesangs- und Darstellungskunst! Auch in den weiteren Rollen zeigt das Ensemble hohe Solo-Qualität: Emanuele D’Aguanno mit edler Stimmfärbung als Kaiser Titus […]; Hyejin Lee als Servilia mit anrührendem Stimmencharme die Schwester des Sextus gestaltend und Isabel Stüber Malagamba als Servilias Geliebter Annius.

Claus Ulrich Heinke Orpheus

November/Dezember 2020