Richard Löwenherz

Der misslungene Brautwechsel oder Richardus I., König von England | Singspiel in drei Akten von Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann | Libretto von Christoph Gottlieb Wend nach Paolo Antonio Rolli | Arien in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln | In Kooperation mit den 24. Magdeburger Telemann-Festtagen

»Die Staats-Kunst wirfft die Sitten-Lehre als ein schulfüchsisch Bauwerck um!«
ISACIUS

Georg Philipp Telemann bearbeitete während seines Engagements an der aufstrebenden Hamburger Gänsemarktoper mehrere Werke seines Freundes Händel – »Riccardo I.« regte ihn 1729 zu besonders intensiven Umarbeitungen an. Aufgegriffen wird eine Begebenheit aus der Zeit des Dritten Kreuzzuges: Der englische König Richard I. »Löwenherz« – auf dem Weg ins Heilige Land – will sich auf Zypern mit der ihm bisher unbekannten Berengera von Navarra verheiraten. Doch verliebt sich der tyrannische zyprische Herrscher Isacius in sie und stellt Richard stattdessen seine Tochter Formosa als Berengera vor. Formosa ihrerseits will ihrem Verlobten Orontes treu bleiben. Nach einigen Verwicklungen wird Isacius überführt und die beiden Paare werden vereint.

Mit seiner Übersetzung schuf der Librettist Wend ein den Ansprüchen des bürgerlichen Hamburger Publikums genügendes Textbuch. Er verbesserte dabei den dramaturgischen Verlauf, akzentuierte einzelne Figuren anders und integrierte eine komische Nebenhandlung zwischen dem Philosophen
Gelasius und der Amme Murmilla. Telemanns Beitrag sind neben den deutschsprachigen Rezitativen mehrere neu komponierte Arien sowie die gesamte neue Nebenhandlung.

Vorstellungen
Aktuell sind keine weiteren Termine bekannt.

Premiere am Sa. 10. 3. 2018

Musikalische Leitung David Stern
Regie Michael McCarthy
Bühne / Kostüme Simon Banham
Licht Ace McCarron
Dramaturgie Ulrike Schröder

Richardus Johannes Wollrab
Berengera Juliette Allen
Philippus Florentina Soare
Isacius Louis Roullier
Formosa Raffaela Lintl
Orontes Filippo Mineccia
Gelasius Alexia Macbeth
Murmilla Marco Angioloni

Magdeburgische Philharmonie
Mitglieder von »Opera Fuoco«

Pressestimmen

Irgendetwas in uns muss Gefallen an derlei baukastenmäßigen Charakter- und Handlungsstrukturen finden, und Regisseur Michael McCarthy kam dem [...] großzügig entgegen [...]: Keine Psychologisierung, keine Ironisierung, mit denen immer wieder einmal versucht wird. dem parataktischen Aufbau barocker Opern beizukommen, sondern gleichsam schlichtes Durchwinken - und siehe da, es funktionierte. [...] Erfreuliches lieferte das Hausorchester des Magdeburger Theaters, dem einige Mitglieder der in Frankreich ansässigen »Opera fuoco« (aus deren Sängerensemble etliche der mitwirkenden Solisten kamen) beigegeben waren: David Stern, Leiter des Ensembles und mit seinen Musikern schon öfter an der Elbe zu Gast, sorgte für einen sanglich-kantablen, warmen Klang mit einigen schönen Instrumentalsoli.

Gerald Felber, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Minimalistik der Bühnengestaltung schuf den Raum für die inhaltliche Größe der Oper, die damit zur vollen Geltung kam, und den Sängern das Umfeld zur großartigen Stimmentfaltung bot. [...] Simon Banham gehört zum Besten, was das Königreich Großbritannien in Sachen Gestaltung und Bühne zu bieten hat. In Magdeburg zeigte er, warum ihm dieser Ruf vorauseilt. Dieser »Richard Löwenherz« ist eine inszenatorische Glanzleistung, die vermutlich den Händelschen wie auch den Telemannschen Intentionen sehr nahe kam. Sie ist ganz einfach ein emotionaler und künstlerischer Hochgenuss.

Rolf-Dietmar Schmidt, aspekt Magazin

Raffaela Lintl, wie Wollrab Ensemblemitglied in Magdeburg, war als Formosa von packenderem Kaliber. Sie klang jung, dabei substanzreich, zärtlich, dramatisch, erfüllte in alles Affekten ihre Partie. Der zweite Ohrenschmaus des Abends kam aus der Kehle Filippo Mineccias in der leider etwas kleineren Partie des Orontes, Formosas Verlobtem. Mineccia ist ein Countertenor, wie man ihn sich nur wünschen kann, durchschlagskräftig, hochvirtuos, im besten Sinne routiniert. Er weiß einfach, wie mit Händel/Telemann umzugehen ist. Das gleiche Lob gilt dem aus Mitgliedern der Magdeburgischen Philharmonie und der »Opera Fuoco« zusammengestellten Orchester unter der Leitung des Alte-Musik-Spezialisten David Stern. Frisch, atmend und mit betörenden Solo-Instumentenklängen bei einzelnen Arien wurde musiziert. 

Irene Constantin, Volksstimme