Powder Her Face

Ihre letzte Maske | Kammeroper in zwei Akten von Thomas Adès
Libretto von Philip Hensher | In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

»Sie ist verroht in einem kapitalen Maß.
Sie ist ein Don Juan unter den Weibern.«

RICHTER

Mit seiner Kammeroper setzte Thomas Adès 1995 der britischen Society-Lady Margaret Campbell, der Herzogin von Argyll, ein Denkmal. Die für ihre sexuellen Eskapaden berüchtigte, als »Dirty Duchess« verschriene Campbell bewegte sich in höchsten gesellschaftlichen Kreisen und war für ihre Schönheit genauso berühmt wie für ihren Snobismus. 1963 kam es zu einem aufsehenerregenden Scheidungsprozess, in dem ihr selbst untreuer Ehemann, der Herzog von Argyll, dem Gericht Fotos vorlegte, die die Herzogin beim Oralverkehr mit einem fremden Mann zeigten. Für die britische Mittelschicht wurden die Fotos zum Inbegriff der Verderbtheit einer lasterhaften Upper-Class.

»Du könntest eine Blowjob-Arie schreiben. Am Anfang mit Worten und am Schluss mit Glucksen.« Mit diesem verlockenden Vorschlag hatte Librettist Philip Hensher den erst 23-jährigen Thomas Adès überzeugt, die Musik für diese Kammeroper zu schreiben. Die Partitur vereint Einflüsse von Music Hall und Jazz sowie Anklänge an Weill, Strawinsky, Britten und den Tango Nuevo eines Astor Piazzolla.

Vorstellungen
Sonntag
29. 4. 2018
19.30 Schauspielhaus / Bühne
Abendbesetzung: Hans Rotman · Noa Danon · Daire Halpin · Jonathan Winell · Paul Sketris
Tickets
Freitag
25. 5. 2018
19.30 Schauspielhaus / Bühne
Abendbesetzung: Hans Rotman · Noa Danon · Daire Halpin · Jonathan Winell · Paul Sketris
Tickets

Premiere am Sa. 31. 3. 2018

Musikalische Leitung Hans Rotman
Regie Magdalena Fuchsberger
Bühne Dirk Steffen Göpfert
Kostüme Kathrin Hegedüsch
Dramaturgie Thomas Schmidt-Ehrenberg

Herzogin Noa Danon
Zimmermädchen Daire Halpin
Elektriker Jonathan Winell
Hotelmanager Paul Sketris

Magdeburgische Philharmonie

Video

Pressestimmen

In sich steigernder rhythmischer Präsenz geht überhaupt so manches Stücklein in dieser Kammeroper über die zweigeteilte Bühne. [...] Eine Meisterleistung der vier Sänger, drei von ihnen in vielen verschiedenen Rollen, war es, das Ganze hochkonzentriert und mit völlig ernsten Gesichtern zu zelebrieren. Noa Danon war eine perfekte Besetzung für die Lady. Musikalisch sowieso bestens orientiert und ausdrucksstark, hatten ihre Sex-Sehn-Sucht und ihr ältliches Zusammenbrechen auch darstellerisch fast etwas Rührendes an sich. Daire Halpin war das klarstimmige und überhaupt stets bereite Kammerkätzchen, Jonathan Winell der Elektriker, Zimmerkellner, Schotten-Spießer. Er hätte seinen exzellenten hohen Tenor noch ein bisschen gespenstischer durch die Szenen ölen lassen können. Paul Sketris gab ein mageres Gruselgestell von beeindruckender bassgetönter Verlogenheit als Herzog, Hotelmanager und Richter; als der leibhaftige Tod. Hans Rotman leitete ein Kammerorchester, man könnte auch Band sagen, die Adès‘ Komposition sehr ausgefuchst musizierte. Ein schriller Tango am Anfang, ein Todes-Tango auch am Schluss. Dazwischen viel Spaß mit der Musikgeschichte. Ein Love-Song war zu hören, eine Koloraturarie des traditionsbewussten Herzogs, irgendwann klang es so maskiert wie der »Rosenkavalier«, auch so gefühlig wie Puccini. Reichlich Bläsersound sorgte auch für reichlich Schwärze – alles zusammen eine prickelnde, spannende Mischung, der das Publikum herzlichen Beifall spendete.

Irene Constantin, Volksstimme,
3. 4. 2018

Ein vielschichtiges Porträt hätte die phänomenale, sich rückhaltlos der Partitur und der Szene ausliefernde Noa Danon prägen können, deren vokale und szenische Intensität bei der mit Glucksen endenden Blowjob-Arie eigentlich erst richtig beginnt, nicht nur gipfelt. [...] Eine Paraderolle für diese zutiefst beeindruckende Sängerin! [...] Kathrin Hegedüschs Kostüme geben mit einer Übersteigerung zum Grand-Guignol dieser schlüpfrigen Dauerberieselung einen weiteren attraktiven Bonus. [...] Für den Spielplan des Theaters der Landeshauptstadt ist das sicher eine bislang fehlende und artifiziell stimmige Leistung. [...] Welcher Tenor darf schon einen ganzen Abend lang sein prächtiges Spiel- und Charakterisierungspotenzial in Netzstrümpfen und Strapsen ausstellen wie Jonathan Winell? Und die ihre Koloraturen mit zielgenau steiler Präzision schmetternde Daire Halpin revitalisiert das Fach der superblonden Opernsoubrette mit einem Schuss Flittchen vom Pay-Channel. Als Herzog in Damendessous mit dezent devoten Allüren macht Paul Sketris ebenso eine gute Figur wie als zur moralischen Vogelscheuche gemachter Richter und der schließlich die restlos verarmte Herzogin aus ihrer Suite ausweisende Hotelmanager. [...] Die kleine Besetzung aus der Magdeburgischen Philharmonie agiert sehr differenziert und holt auch die dunklen Farben aus der frechen, emotionalen und melodienreichen Partitur, ihren fetzigen Koloraturen und gefühlshungrigen Tangos.

Roland Dippel, nmz, 3. 4. 2018

Ein spannender Stoff, den der Librettist Philip Hensher und der Komponist Tomas Adès kongenial verarbeitet und die Regisseurin Magdalena Fuchsberger sowie der Dirigent Hans Rotman konsequent umgesetzt haben. Konsequenz ist im Wortsinne zu verstehen. Das, was aus der Erinnerung der gealterten Protagonistin erzählt und hervorragend gesungen wird (Noa Danon als Herzogin und das kleine Ensemble sind großartig), deutet nicht verschämt an, sondern spielt die Fallhöhe aus. Da muss der eine oder andere Besucher wohl mal Luft holen, ein Paar verschwand am Freitagabend demonstrativ noch vor der Pause. Aber peinlich ist hier nichts. Es sei denn, man fände eine Frau, die Lust wie Freiheit begehrt und dabei missbraucht wird, peinlich. Das fiele jedoch auf den Betrachter zurück. Ein ungewöhnlicher Opernabend. Mit aufregender Musik. Und aufregend gut gespielt.

Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung,
9. 4. 2018