Literaturklub

Anmeldung: caroline.rohmer[at]theater-magdeburg.de

»Lesen Sie – lesen Sie – lesen Sie viel. Lesen Sie alles.«, sagte der Schriftsteller Henry James. Dieses Motto lebt der Literaturklub am Schauspielhaus. 2009 durch die Dramaturgie des Theaters ins Leben gerufen, treffen sich nun schon seit 10 Jahren Literaturbegeisterte ein- bis zweimal monatlich zum angeregten Austausch über ein gemeinsam gelesenes Werk, welches in der Runde vorgeschlagen und ausgewählt wird.

Von A wie Chinua Achebe bis Z wie Stefan Zweig und dazwischen über 200 weitere Bücher, wie von Bernhard Schlink, Jenny Erpenbeck, von Franz Kafka, Mary Shelley's »Frankenstein« oder Voltaire’s »Candide«, immer wieder gerne auch angebunden an aktuelle Inszenierungen des Theaters - was die Möglichkeit bietet, noch einmal anders auf das zuvor Gelesene zu schauen. Ob Klassiker oder neue Literatur, ob europäisch, amerikanisch, asiatisch oder afrikanisch -  alle Zeiten und Kontinente werden erkundet. Im Sprechen über die Bücher werden auch die Zeitumstände ihrer Entstehung und die Biografien der Autor*innen beleuchtet. Die Gruppe sucht das Gespräch über das »Schöne, Gute, Wahre und Alberne, Überflüssige und Banale« (Zitat nach Denis Scheck). Vielleicht bleiben dabei auch manchmal »alle Fragen offen«, nur sprachlos  wird sie nie. Die Literatur regt zu immer wieder neuen interessanten Überlegungen über Gott, die Welt und das Leben an. Der Club lädt alle, die ebenfalls an Literatur Freude haben, herzlich ein, gelegentlich, des Öfteren oder regelmäßig dabei zu sein mit Vorschlägen und/oder Leselust.

 

Michael Ondaatje »Kriegslicht«

Di. 11. 1. 2022     19.30 Uhr     Schauspielhaus Studio
Anmeldung unter: caroline.rohmer@theater-magdeburg.de 
Eintritt frei

In einer Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte und Spionagethriller beleuchtet der Roman die spannungsreiche Zeit in Großbritannien kurz nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Geschwister Nathaniel und Rachel werden immer wieder allein bei Freunden ihrer Eltern zurückgelassen – ein exzentrischer Haufen von Abenteurern, Schmugglern und Lebenskünstlern. Plötzlich kehrt die Mutter nach langem Schweigen wie aus dem Nichts wieder und hält sich mit mysteriösen Andeutungen über ihre Aufenthalte bedeckt. Als Erwachsener beginnt Nathaniel schließlich, ihre Vergangenheit als Spionin im Kalten Krieg aufzuspüren.

Michael Ondaatje,  Autor des berühmten Romans »Der englische Patient«, entwirft mit seiner Erzählkunst eine kaleidoskopartige Komposition aus suggestiven Andeutungen, Verwirrspielen und schillernden Figuren, die ein vielschichtiges Panorama der englischen Nachkriegszeit schaffen.

Ian McEwan »Nussschale«

Di. 8. 2. 2022     19.30 Uhr     Opernhaus Wagnerfoyer
Anmeldung unter: caroline.rohmer@theater-magdeburg.de 
Eintritt frei

Ein ungeborenes Kind erzählt die Geschichte seiner Mutter und davon, was es durch die sonstigen Stimmen und Geräusche von der Außenwelt mitbekommt. So weiß es, dass Mutter Trudy den Vater – ein erfolgloser Dichter – mit dessen Bruder Claude betrügt. Sie planen gar seine Ermordung, um an sein Erbe zu kommen. Nach dem erfolgten Komplott scheint Trudy und Claude die Flucht zu gelingen. Das ungeborene Kind reißt daraufhin die Fruchtblase auf und leitet seine Geburt ein. Die Ausgangskonstellation erinnert nicht nur an Shakespeares Hamlet, sondern ist vom Autor Ian McEwan bewusst so angelegt um die Frage nach Sein und Nichtsein ganz zeitgenössisch zu stellen: nämlich vom noch ungeborenen Leben selbst.

Ulrike Edschmidt »Das Verschwinden des Philip S.«

Di. 22. 2. 2022     19.30 Uhr     Opernhaus Wagnerfoyer
Anmeldung unter: caroline.rohmer@theater-magdeburg.de 
Eintritt frei

Im Mai 1975 stirbt Philip S. beim Schusswechsel mit der Polizei auf einem Kölner Parkplatz. Er stand im Verdacht, an der Entführung eines Politikers beteiligt gewesen zu sein. Es bleibt ein Foto von diesem Ereignis zurück, das das tragische Ende eines Lebens markiert, das sich auf der idealistischen Suche nach Freiheit letztlich der Gewalt verschrieb. Etwa 40 Jahre später verfasst Philips damalige Gefährtin Ulrike eine autobiografische Spurensuche. Sie beschreibt den Sog der 68er-Bewegung, in dem die private Geborgenheit der Familie und das Ventil des Künstler*innen-Daseins der radikalen Politisierung weicht. Wann wird so ein Weg, gepflastert mit Flugblättern, Streitschriften und Gefängnisaufenthalten, unumkehrbar?