America Noir

Ballett von Gonzalo Galguera | Musik von John Adams, Samuel Barber, Aaron Copland, Philip Glass, William Grant Still und Joan Tower
Uraufführung

»Die Straßen waren schwarz nicht vom Dunkel der Nacht allein.«
Raymond Chandler

Leidenschaft, Eifersucht, Verbrechen – Gonzalo Galguera begibt sich in seinem neuen Ballettabend in die düstere Halbwelt des amerikanischen »Film noir«: Einsame Männer, mysteriöse Frauen, vergebliche Fluchten: Was ist passiert zwischen dem Mann und der Frau am dunklen Ende der Straße?

Faszinierend und unheilvoll gleichermaßen ist das Bild von Amerika, das Schriftsteller, Regisseure und Darsteller Ende der 1940er Jahre in Filmen wie »Frau ohne Gewissen«, »Die blaue Dahlie«, »Tote schlafen fest«, »Berüchtigt« und »Im Zeichen des Bösen« gezeichnet haben. Inspiriert von amerikanischer Musik des 20. Jahrhunderts spürt Galguera dieser Atmosphäre nach und entwickelt einen Tanzabend um das Ausgeliefertsein des Menschen an seine dunkle Seite.

Vorstellungen
Freitag
19. 1. 2018
19.30 Opernhaus / Bühne
Tickets

Premiere am Sa. 30. 9. 2017

Musikalische Leitung Anna Skryleva
Choreografie / Regie Gonzalo Galguera
Bühne Christiane Hercher
Kostüme Stephan Stanisic
Dramaturgie Eva Bunzel, Ulrike Schröder

Mann Andreas Loos
Frau 1 Lou Beyne
Frau 2 Antanina Maksimovich
Frau 3 Narissa Course 

Pressestimmen

Ein Ballettauftakt der neuen Spielzeit am Magdeburger Theater, wie man sich ihn spektakulärer wohl kaum vorstellen kann: »America Noir«. [...] dieses Ballett setzt im Ausdruckstanz neue Maßstäbe. Die Tänzer sind stark darstellerisch gefordert, obwohl sie gleichzeitig mit Höchstleistungen bei fast artistischen Bewegungsabläufen und anmutigen Szenen glänzen. Diese Kombination, die nur bei exzellenter klassischer Ausbildung möglich ist, schafft eine Erzählform, die ohne ein Wort zu sprechen, Hochspannung und gleichzeitig sehr tiefe Gefühlseinblicke ermöglicht. [...] Die Musikauswahl greift auf die Kompositionen großer Namen zurück. Am Pult der Magdeburgischen Philharmonie gab dabei die russische Gastdirigentin Anna Skryleva ihr Debüt in Magdeburg. Sie hatte genau das richtige Gefühl für die Ausgewogenheit, musikalisch die Handlung temperamentvoll und kräftig zu treiben, bei den Augenblicken der großen Gefühle aber auch die entsprechende Zurückhaltung zu finden. [...] Zu den anrührendsten Momenten dabei wurde das Pas de deux mit Andreas Loos und Narissa Course in dem Bild des einsamen Treffens am Motel 66. Dieser Tanz, für den eigens ein amerikanischer Straßenkreuzer der 1950er Jahre auf die Bühne rollte, war Krimi und Liebesdrama in einem. Mit eindrucksvollen Tanzbildern des Suchens und Findens, der Flucht vor den Verfolgern, Versteck im Kofferraum, der Hoffnung und Enttäuschung, wurden die Gefühle der beiden fast körperlich spürbar auf eine aussichtslose Probe gestellt. Das war ein klassischer Paartanz, und dennoch ganz modern und neu im Ausdruck. [...] »America Noir« ist ein Handlungsballett, das Ballettfreunde begeistert, aber ebenso Menschen anziehen wird, denen dieses Genre eher fremd ist. Wer sich auf dieses Stück einlässt, wird vermutlich künftig nicht mehr vom Ballett lassen können.


Rolf-Dietmar Schmidt, Volksstimme,
2. 10. 2017

 

 

So sind, spezifisch für alle Teile der skizzenhaften Handlung, beeindruckende musikalische Bewegungschoreografien entstanden. Die aus Russland stammende Gastdirigentin Anna Skryleva befeuert die Magdeburgische Philharmonie mit viel Temperament und Sensibilität. Nicht sehr oft erlebt man eine solche Homogenität zwischen dem musikalischen und den rasanten und komplizierten Bewegungsabläufen auf der Bühne. Die Kompositionen von Joan Tower, William Grant Still, Aaron Copland, Philipp Glass und Samuel Barber sind als Sound mit der Geschichte kongenial verwoben. Für die einzelnen Teile der Fluchtgeschichte ist Andreas Loos als Protagonist mit seiner kraftvoll-athletischen Eleganz und seinem Charisma tänzerisch prägend. Einer der tänzerischen Höhepunkte ist das emotional ausdrucksstarke Pas de deux mit Narissa Course. Aber auch die Kompanie kann mit Bewegungsfolgen zwischen synchron getanzten Schrittkompositionen und sich immer neu formierenden Tableaux, punktgenau zur Musik und ihren jazzigen Rhythmen, beeindrucken. Mit dieser Uraufführung haben Galguera und das Ballett Magdeburg etwas Besonderes kreiert – das Premierenpublikum honoriert mit Ovationen.

Herbert Henning, tanznetz.de
2. 10. 2017

Einen erklecklichen Anteil am Erfolg hat die Musik, ein Gebinde aus Kompositionen von John Adams bis Joan Tower, das die Magdeburgische Philharmonie unter Anna Skryleva glänzend präsentiert. Samuel Barbers unendlich oft und fast zu Tode getanztes «Adagio for Strings» wirkt wie neu, wie nie gehört, so filigran und durchscheinend geht der Klangkörper damit um. Was offenbar auch Galguera beflügelt hat, dessen Choreografie nicht nur mit Eloquenz überzeugt, sondern in entscheidenden Momenten lässige Zurückhaltung übt.

Dorion Weickmann, Tanz,
November 2017