Faust

Charles Gounod | Oper in vier Akten | Libretto von Jules Barbier und Michel Carré nach Goethe | In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

»Noch einmal Tag, und wieder Nacht und Tag!
O Tod, wann greifst du ein, diesen Jammer zu enden?«

Faust

Dr. Faust ist seiner Studien müde, da er das Wesen der Natur nicht ergründen konnte. Ein Pakt mit Mephisto soll ihm neuen Lebenssinn geben: Faust verschreibt ihm seine Seele, um als junger Mann die schöne Marguerite verführen zu können. Als sie schwanger wird, verlässt Faust die Unglückliche und tötet ihren Bruder im Duell. Erst als sie wegen Kindsmords in den Kerker geworfen wird, versucht er sie zu retten ...

Der »Faust«-Stoff gehört neben »Don Juan« und »Orpheus« zu den beliebtesten Opernvorlagen überhaupt. Gounods Version von 1859 revolutionierte die französische Oper, indem sie der Grand-Opéra eines Meyerbeer und der Opéra-comique mit gesprochenen Dialogen eine neue, dem poetischen Beispiel Goethes durchaus ebenbürtige Musiksprache entgegensetzte. Dass damit eine gewisse Vereinfachung des Wissens-Suchers Faust hin zum tragischen Liebhaber einherging, wurde zumal aus deutscher Sicht kritisiert. Das konnte aber nicht verhindern, dass Gounods Werk mit seiner Abfolge von intimen Szenen und großen Bildern in der Kirche, mit Soldaten oder auf einem Hexensabbat im Harz die beliebteste »Faust«-Oper geblieben ist.

Vorstellungen
Aktuell sind keine weiteren Termine bekannt.

Musikalische Leitung Svetoslav Borisov
Regie Olivia Fuchs
Bühne Niki Turner
Kostüme Falk Bauer
Choreografie David Williams
Dramaturgie Ulrike Schröder
Choreinstudierung Martin Wagner

Doktor Faust Richard Samek    
Méphistophélès Shavleg Armasi    
Valentin Johannes Wollrab    
Wagner Johannes Stermann/Paul Sketris/
Uğur Yılmaz  
Marguerite Noa Danon
Siébel Lucia Cervoni/Sylvia Rena Ziegler
Marthe Ks. Undine Dreißig
   
Opernchor des Theaters Magdeburg
Statisterie des Theaters Magdeburg
Magdeburgische Philharmonie

Video

Pressestimmen

Das wirkliche musikalische Theater fand im Orchestergraben und in den Kehlen der Sänger statt. Svetoslav Borisov animierte die Magdeburgische Philharmonie ganz ungemein. Ein berauschend volltönender, romantisch atmender Klang füllte das Haus. Lieblicher Lyrismus und dramatische Tragik halten die Balance. Borisov wählte ruhige, dennoch keine schleppenden Tempi, umso schöner hatten die tänzerischen Melodien und frei fließenden Schwärmereien der Arien Zeit zur Entfaltung. Die instrumentalen Soli leuchteten wie feine Juwelen; [...] Borisov könnte als Erster Kapellmeister ein längerfristiger Glücksgriff am Pult des Orchesters sein; die Besetzung von Faust und Méphistophélès mit dem Tenor Richard Samek und dem dunklen Bariton Shavleg Armasi war es für diese Produktion ganz bestimmt. Figürlich als gegenseitige Doppelgänger bestens geeignet, passten sie auch stimmlich zueinander. Armasi ein eleganter, eher beweglich gefährlicher als donnernd harter Mephisto, dessen Rondo vom goldenen Kalb die Soldaten- und Huren-Gesellschaft zunächst mehr verblüffte als verschreckte. Er war die geschmeidig lauernd ins Ohr träufelnde Gefahr. [...] Ein großer, langer Abend und ein vor allem musikalisch gelungener Spielzeiteinstand.

Irene Constantin, Volksstimme,
12. 09. 2016

Svetoslav Borisov, der neue erste Kapellmeister des Hauses, der mit diesem »Faust« seinen Einstand  gibt, hat es verstanden, den langen Abend, die Oper ging bis fast 23 Uhr, zu einem besonderen musikalischen Ereignis werden zu lassen. Er hat mit der Magdeburgischen Philharmonie, die sehr gut in Form war, jenseits süßlichen Schwelgens die Oper in all ihren Qualitäten beglaubigt, vor allem mit prachtvollem Klangzauber. Er hat Bühne und Orchester fabelhaft zusammengehalten. Er phrasiert sehr differenziert, er liebt scharf  herausgemeißelte Kontraste,  lässt das Dramatische, aber auch das lyrische dieser sinnlichen Theatermusik  zu ihrem Recht kommen. Seine Tempi sind geschmeidig, er zeigt großen Sinn für die orchestralen Details und trägt die Sänger überaus achtsam durch die Partien. Eine beeindruckende erste Premiere dieses energiegeladenen bulgarischen  Dirigenten. Er ist ein großer Gewinn für das Theater Magdeburg. [...] Man kann in Magdeburg eine erstklassige Marguerite aus dem eigenen Ensemble besetzen. Die israelische Sopranistin Noa Danon singt die weibliche Hauptpartie mit großer, warmer, farbenreicher Stimme, sie ist außerdem von ihrer mädchenhaften äußerlichen Erscheinung her ein Glücksfall. Als Faust hat man den jungen tschechischen Tenor Richard Samek engagiert. Auch er ist eine Idealbesetzung. Ein junger  Tenor mit fabelhaftem Stimmmaterial und prachtvoller Liebhaber-Optik. Mit überzeugendem Ausdruck vor allem im zweiten Teil des gestrigen Abends hat er dem zwischen Zynismus und Emotion hin- und hergerissenen Faust eine bewegende Stimme gegeben, die mit lyrischen wie heldenhaften Qualitäten punkten kann. Der Star des Abends war allerding der georgische Bass Shavleg Armasi als Méphistophélès, absolut souverän in Spiel und Gesang, eine schwarzteuflische Autorität von Singschauspieler. Aber auch alle übrigen Partien waren sehr überzeugend besetzt. Insgesamt eine fabelhafte Neuproduktion: Sinnlich-sinniges Theater, ein Sängerfest und ein glänzendes Debüt des neuen 1. Kapellmeisters. Das Publikum war begeistert!


Dieter David Scholz, MDR Kultur,
11. 09. 2016

Unter ihrem neuen 1. Kapellmeister Svetoslav Borisov läuft die Magdeburgische Philharmonie zur Hochform auf, lässt es düster dräuen, schmettert die Märsche, wirft sich in die Walzer und lässt die Sänger mit französischer Eloquent scheinbar endlos schwelgen. Mit tadellos souveräner Bosheit ist Shavleg Armasi als Méphistophélès ein eleganter Spielführer in Frack und Zylinder, der mit sichtlichem Vergnügen seine teuflischen Fähigkeiten ausspielt. Richard Samek ist mit standhafter Höhe und Verwandlungsfähigkeit jener Doktor Faust, der sich im Handumdrehen vom alten Griesgram mit Gehhilfe zum Hallodri und Verführer wandelt. Dass Noa Danon die attkraktiv verführerische und verführte Marguerite glaubwürdig verkörpern würde, war klar. Doch auch Lucia Cervoni als ihr schüchterner Verehrer Siébel, Undine Dreißig als reif zupackende Frau Marthe und der markant kämpferische Johannes Wollrab als Valentin profilieren ihre Rollen in einem überzeugenden Ensemble.


Joachim Lange, Neue Musikzeitung online,
12. 09. 2016