08. Januar 2021

Die nächsten Online-Projekte des Theaters Magdeburg: Videoausschnitt #konzerteonline »Für eine friedliche Welt« sowie passende Live-Stream-Lesung »Die Saboteure« von Anna Seghers und Online-Lesung »Halt wach Dein Gedächtnis«

Pressemitteilung, 12.01.2021

Videoausschnitt zum musikalischen Gedenken »Für eine friedliche Welt«

Das Theater Magdeburg ist weiterhin bis zum 31. Januar geschlossen, viele Mitarbeiter*innen in Kurzarbeit – und an große Chorsinfonik ist deshalb leider gar nicht zu denken. Vielleicht kann der Ausbruch aus liebgewonnenen Routinen aber die Erinnerung an die umwälzenden Erfahrungen aus Krieg und Nachkriegszeit, derer mit dem Gedenkkonzert am 16. Januar ja gedacht wird, neu beleben. Generalmusikdirektorin Anna Skryleva hat – auch ohne Beethovens 9. Sinfonie – ein nachdenkliches und gleichzeitig ermutigendes Programm zum musikalischen Gedenken für diesen Tag entwickelt. Das Video präsentiert Ausschnitte aus dem für den 16. 1. 2021 geplanten Konzert. Nach barocken Blechbläserklängen des italienischen Barockkomponisten Tomaso Albinoni wird der Videobeitrag fortgesetzt mit der Bearbeitung von Schostakowitschs 8. Streichquartett, das 1960 während einer Reise des Komponisten in die DDR entstand. Der 2. Satz, Allegro molto, des c-Moll-Quartetts, das Schostakowitsch schließlich als persönliche Erinnerung an Verfolgung, politische Gängelung und Krieg schuf, kommt in der Bearbeitung des russischen Dirigenten und Bratschers Rudolf Barschai zur Aufführung, die – weil sie Schostakowitsch »für besser als das Original« hielt – als Kammersinfonie op. 110a in sein Werkverzeichnis Eingang fand. Zum Abschluss kommt eine heute fast völlig vergessene Komponistin zu Gehör: Die in Leipzig geborene Lena Stein-Schneider, eigentlich Helene Meyerstein (1874–1958), machte sich in den 1920er Jahren in der männlichen Domäne der unterhaltenden Musiktheater- und Filmmusik einen Namen. Als Jüdin wurde sie 1942 mit dem 44. Alterstransport nach Theresienstadt deportiert, überlebte dort drei Jahre lang im Ghetto und ließ sich nach der Befreiung in der Schweiz nieder. 1952 kehrte sie nach Berlin zurück, auch um den langwierigen »Wiedergutmachungs«-Prozess persönlich und intensiver betreiben zu können. Zehn Monate nach der Bewilligung starb sie. Das ausdrucksstarke »Gebet für den Frieden« schrieb sie 1949 noch in der Schweiz. Angesichts dessen ist es umso wichtiger, dem Publikum ein Programm zum Gedenken an die Zerstörung Magdeburgs 1945 anbieten zu können. Das Theater Magdeburg hat einen Teil des Konzertes aufgezeichnet und stellt diesen vom 16. Januar bis zum 23. Januar 2021 online auf der Internetseite des Theaters Magdeburg zur Verfügung, um so musikalisch an die Zerstörung Magdeburgs und das Leid der Überlebenden vor 76 Jahren zu erinnern.

Tomaso Albinoni Sonata A-Dur op. 6, Nr. 11 »Concerto San Marco«. Bearb. für Blechbläserquintett von David Hickman

– 1. Satz: Grave

Dmitri Schostakowitsch Kammersinfonie op. 110 a. Bearb. für Streicher von Rudolf Barschai

»Dem Gedächtnis der Opfer des Faschismus und des Krieges«

– 2. Satz: Allegro molto

Lena Stein-Schneider (1874–1958)

»Avinu Malkenu« (Gebet für den Frieden) für Gesang und Klavier. Hebräische Übersetzung von R. Rysterband

Markus und Marie-Therese Finkler (Trompete) I Ueli Bitterli (Horn) I Gerhard Vinatzer (Posaune), Reinhard Sand (Tuba) I Raffaela Lintl (Sopran) I Pawel Poplawski (Klavier) I Magdeburgische Philharmonie I GMD Anna Skryleva Dirigentin I Aufnahmeleitung: Christiane Hercher I Dramaturgie: Ulrike Schröder

Auf der Internetseite des Theaters Magdeburg ab Sa. 16. Januar 2021, 20.00 Uhr, zu erleben unter https://www.theater-magdeburg.de/spielplan/konzert/sz-20202021/konzerte-extra-2021/fuer-eine-friedliche-welt/

 

Lesung im Livestream »Die Saboteure« von Anna Seghers

Im Rahmen der Aktionswochen »Eine Stadt für alle« der Initiative weltoffenes Magdeburg

»Ich will mich nicht durch die Zeit durchschleichen, ich will nicht, wenn es vorbei ist, über mich denken: Ich habe es überstanden. Ich will jetzt etwas tun, mit euch zusammen.«

Die kraftvolle Erzählung von Anna Seghers, die 1945 während ihres Exils in Mexiko entstand, stellt die unbeantwortbare Frage, wann der »richtige« Zeitpunkt ist, um sich gegen ein menschenfeindliches System zur Wehr zu setzen, und wann die Möglichkeiten für Veränderungen verpasst sind. Sie führt die Geschichte einiger Figuren aus dem Roman »Das siebte Kreuz« weiter: Franz Marnet, Hermann Schulz und und Dr. Kreß, die vor dem Krieg auf unterschiedliche Weise halfen, den KZ-Flüchtling Georg Heisler außer Landes zu bringen, arbeiten mittlerweile in einer Waffenfabrik, als am 22. Juni 1941 der Krieg gegen die Sowjetunion eröffnet wird. Gemeinsam mit Paul Bohland und anderen Kollegen, verabreden Hermann und Franz, dass sie an den Handgranaten, die sie herstellen, kleine Sabotageakte verüben wollen. Kreß, den sie nur flüchtig kennen und dessen Haltung zum Nazi-Regime unklar ist, hat die Endkontrolle. Doch auch er hält dicht, als er die Sabotage entdeckt. In einem Sturm auf ein ukrainisches Dorf knapp zwei Jahre später, werden diese Handgranaten versagen. Doch bis die Gestapo die Saboteure ermittelt, sind Franz und Paul längst selbst an die Ostfront eingezogen ...

Carmen Steinert und Christoph Bangerter lesen diese berührende und aufrüttelnde Geschichte, die zu Solidarität und Zivilcourage aufruft, gemeinsam in einer gekürzten Version im Livestream auf der Facebook-Seite und der Theaterwebseite. Wer den Livestream verpasst, kann sich die Lesung noch sieben Tage nachträglich ansehen.

Mit: Carmen Steinert, Christoph Bangerter

Einrichtung: Caroline Rohmer

So. 17. 1. 2021, 18.00 Uhr I Online im Livestream und nachträglich abrufbar auf der Facebook- und Internetseite des Theaters Magdeburg, www.theater-magdeburg.de und https://www.facebook.com/Theater.Magdeburg/

 

Online-Lesung »Halt wach Dein Gedächtnis»

Zusätzlich möchte das Theater Magdeburg im  Zusammenhang des Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkriegs noch auf die Online-Lesung »Halt wach Dein Gedächtnis» hinweisen. Sie ist – anlässlich des Jahrestages der Zerstörung Magdeburgs – auf der Internetseite des Theaters Magdeburg vom 16. 1. bis 30. 1. 2021 zu finden. Im Mai 2020 jährte sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal. Zum Gedenken an die Opfer und gegen das Vergessen lasen Schauspieler*innen des Theaters Magdeburg Texte von Nelly Sachs, Bertolt Brecht, Hannah Arendt, Wolfgang Borchert und Magdeburger Zeitzeugen an den zahlreichen Gedenkstätten in Magdeburg. Musikalisch begleitet wurden sie von der Klezmer-Gruppe Foyal mit jiddischen Liedern. Die Unfassbarkeit von Tod und Zerstörung, die Sinnlosigkeit des Krieges und das Entsetzen jüdischer Verfolgung und Ermordung wird in den Gedichten und Briefen, Liedern und Erzählungen auf eindrückliche Weise gegenwärtig.Anlässlich des Jahrestages der Zerstörung Magdeburgs am 16. Januar 1945 ist die Videoproduktion des Theaters Magdeburg nochmals vom 16.1. bis 30.1. 2021 auf www.theater-magdeburg.de zu sehen.

Wir freuen uns über Ihre Berichterstattung!

 

Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen für ein gesundes, neues Jahr 2021!

Dr. Christine Villinger