21. August 2020

Schauspielchef Tim Kramer ist »Der Menschenfeind« Premiere Sa. 26. 9. 2020, 19.30 Uhr, Schauspielhaus Bühne

Schauspielchef Tim Kramer ist »Der Menschenfeind«
Premiere Sa. 26. 9. 2020, 19.30 Uhr, Schauspielhaus Bühne

In Molières Komödie »Der Menschenfeind« zählt nur der schöne Schein. Mittendrin in der Oberschicht um das It-Girl Célimène bewegt sich Alceste, der jedoch die Oberflächlichkeit seiner Mitmenschen hasst. Die Rolle des Menschenfeinds wird von Schauspieldirektor Tim Kramer gespielt, inszeniert wird das Stück von Chefdramaturgin Elisabeth Gabriel. Premiere ist Sa. 26. 9. 2020 um 19.30 Uhr auf der Bühne im Schauspielhaus.

Ursprünglich ist Molières Stück in der französischen Salonkultur des 17. Jahrhunderts angesiedelt. Im Mittelpunkt der höheren Gesellschaft, die von Eifersü;) chteleien und Selbstdarstellung geprägt ist, steht Célimène (Undine Schmiedl). Sie wird von allen Seiten umworben, jeder möchte mit ihr befreundet sein. Und ausgerechnet Alceste (Tim Kramer), ein bekennender Menschenfeind, verliebt sich entgegen all seiner Prinzipien in die junge Witwe. Für Regisseurin Elisabeth Gabriel ist Alceste eine tragisch-komische Figur: Er hat hohe Ansprüche an sich und die Welt, und wirft sie über Bord, wenn es um die Liebe zu Célimène geht. Diese Inkonsequenz wird ihm letztendlich zum Verhängnis …

Die Oberflächlichkeit der Protagonist*innen in Molières Komödie führt ein zeitloses Problem der menschlichen Gesellschaft vor Augen: Man ist aufeinander angewiesen und muss sich deshalb vertrauen können. Doch diese Abhängigkeit führt dazu, immer im besten Licht dastehen zu wollen. Ein Mechanismus, der heute beispielsweise durch soziale Medien weiter verstärkt wird. »Im Internet zeigt man sich als bessere Version von sich selbst und hält mit allen möglichen Menschen unverbindlich Kontakt, weil man nie weiß, wann man füreinander nochmal wichtig werden könnte«, sagt Regisseurin Elisabeth Gabriel.

In der Inszenierung wird die Verbindung des traditionellen wie zeitlosen Stoffs mit der Gegenwart deutlich. Die Bühne (Vinzenz Karl Hegemann) erinnert an einen dem Magdeburger Publikum wohlbekannten, halböffentlichen Raum, in dem die Party – angeheizt durch einen DJ – bereits im vollen Gange ist. Während im Vordergrund gesellschaftliche Etikette zählt, beobachtet die illustre Schickeria im Bühnenhintergrund permanent das Geschehen. Für die Kostüme zeichnet die Wiener Kostümbildnerin Ingrid Leibezeder verantwortlich, die zeitgenössische Stoffe und Schnitte mit barocken Elementen verbindet. Bei der Übersetzung hat sich Elisabeth Gabriel für die sehr zugängliche Fassung von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens (1982) entschieden: »Sie lässt ein sehr direktes Spiel zu, und trotzdem arbeitet sie mit dem Reim und transportiert die Eleganz der französischen Sprache«, betont sie.

Die Inszenierung ist die nunmehr dritte Zusammenarbeit von Elisabeth Gabriel als Regisseurin und Schauspielchef Tim Kramer als Protagonist auf der Bühne. Sie haben in dieser Konstellation bereits zweimal am Theater St. Gallen zusammengearbeitet. Für Tim Kramer ist es nach zwei Premieren als Regisseur (»Der gute Mensch von Sezuan«, »Engel in Amerika«) das erste Mal, dass er als Darsteller

auf der Bühne des Theaters Magdeburg steht. Er freut sich auf diese Arbeit: »Für mich ist es schön, als Spieler mal nur über eine Perspektive nachzudenken, nicht alles im Blick haben zu müssen und nochmals anders in künstlerische Arbeiten einzutauchen«. Wiederholung nicht ausgeschlossen!
Der Menschenfeind Von Molière
Regie Elisabeth Gabriel
Bühne Vinzenz Karl Hegemann
Kostüme Ingrid Leibezeder
Musik Nikolaus Woernle
Dramaturgie Caroline Rohmer, Laura Busch
Mit Undine Schmiedl, Carmen Steinert, Saskia von Winterfeld, Christoph Bangerter, Frederik F. Günther, Tim Kramer, Andreas C. Meyer, Thomas Schneider
Premiere
Sa. 26. 9. 2020 19.30 Uhr Schauspielhaus Bühne
Premierenfieber
So. 13. 9. 2020 11.00 Uhr Schauspielhaus Foyer