08. September 2020

»Tod der Treuhand« – Eine Stückentwicklung von Carolin Millner, Premiere am Fr. 25. 9. 2020, 19.30 Uhr, Schauspielhaus Studio

»Tod der Treuhand« – Eine Stückentwicklung von Carolin Millner
Premiere am Fr. 25. 9. 2020, 19.30 Uhr, Schauspielhaus Studio

Die Übernahme von Betrieben durch die Treuhand war für viele ehemalige DDR-Bürger ein Schock. Soziale Strukturen wurden auseinandergerissen, tausende Menschen verloren ihre Arbeit und mussten sich beruflich neu orientieren. Bis heute wird die Abwicklung der Treuhand zu einem Narrativ des Versagens stilisiert. Für Regisseurin Carolin Millner wird dabei oft zu wenig beachtet, dass es sich hier um zwei verschiedene Systeme handelte, die zusammengeführt werden sollten: »Mich interessiert vor allem auch, wie viel die Treuhand überhaupt noch machen konnte und was nicht auch schon vorher entschieden war«, betont sie.

Millner, die zuletzt eine ganze Pentalogie zu 40 Jahren Ostgeschichte entwickelt hat, hat sich für ihre Stückentwicklung am Theater Magdeburg intensiv mit dem Thema Treuhand befasst. Die Handlung dreht sich dann auch um ein Kollektiv aus Mitarbeitern des SKET-Werks in der Elbestadt. Anhand von persönlichen Geschichten, die von den Magdeburger Schauspieler*innen verkörpert werden, verdichtet sich ein Bild eines Lebensgefühls der (Nach-) Wendezeit.

Dafür hat Bühnen- und Kostümbildnerin Maylin Habig ein drei-teiliges Bühnenbild geschaffen, das klar den Übergang von einem System ins andere symbolisiert. Die DDR-Bühne ist als Unterwasserwelt dargestellt und erinnert so an eine untergegangene Welt. Das neue System wird hingegen von Anzugträger*innen dargestellt, die für Erfolg und Machtgier stehen. Jacob Bussmann sorgt mit seiner musikalischen Umrahmung am Klavier zum einen für Erinnerungsmomente an eine vergangene Zeit – zum anderen für Töne in konkreten Situationen wie Demonstrationen gegen Betriebsschließungen.
Carolin Millner hat sich bewusst für einen nicht-dokumentarischen Ansatz entschieden, um das Publikum nicht mit Fakten zu überfordern. In Zwischentönen fügen sich durch kleine Episoden ein Bild einer Zeit zusammen, die auch aus heutiger Sicht noch polarisiert und für viele Menschen noch nicht ausreichend aufgearbeitet ist.