25. Januar 2019

Das Schwache, Unnütze geht unter – »Die Letzten« von Maxim Gorki in der Regie von Milan Peschel Premiere am Sa. 23. 2. 2019, Schauspielhaus / Bühne (Kopie 1)

Als Umbruchs-Stück in Zeiten von gesellschaftspolitischen Veränderungen zeigt Maxim Gorkis »Die Letzten« den Konflikt schwacher Charaktere im Angesicht des Zusammenbruches selbstverständlich gewordener Sicherheiten. In der Regie des aus Film und Fernsehen bekannten Schauspielers Milan Peschel feiert das Familiendrama am Sa. 23. 2. 2019, 19.30 Uhr im Schauspielhaus/Bühne Premiere.

 

»Die Menschen schelten einander so unermüdlich, weil einer des anderen Spiegel ist ... « (Maxim Gorki)

 

Mit Maxim Gorkis »Die Letzten« inszeniert Regisseur Milan Peschel ein für die Stadt Magdeburg geschichtsträchtiges Werk. Am 21. 12. 1951 wurde das Drama anlässlich von Stalins Geburtstag und des einjährigen Bestehens des Magdeburger Opernhauses, das damals als Maxim-Gorki-Theater firmierte, zur DDR-Erstaufführung gebracht. Nach 68 Jahren der Absenz betritt die russische Familie Kolomizew nun erneut die Magdeburger Bühne.

Basierend auf seiner direkten Erfahrung mit den Erlebnissen der Februar-Revolution im Jahr 1905, entwarf Maxim Gorki das Psychogramm einer Familie, die durchsetzt ist von Egoismus, Karrierismus, Zwietracht und Unmenschlichkeit. Die jüngsten Kinder des vom Amt suspendierten Polizeichefs Iwan Kolomizew, Wera und Pjotr, sind die Letzten einer Gesellschaftsschicht, die dem Untergang geweiht ist. Die Familie ist zerrüttet, niemand hört dem anderen zu, es wird gekreischt, beschuldigt, vorgeworfen – freundliche und mitleidige Worte sind hier rar. Es ist das Bild einer Familie, mit der Gorki deutlich machen will, dass die Starken, gerade weil sie so egoistisch sind, in einem von Karriere und Ansehen, Geld und Macht bestimmten System immer überleben werden, während die Schwachen unterzugehen drohen. Der Bezug zum Heute ist unverkennbar – dieses System des absoluten Ichs muss überwunden werden, wenn Liebe und Mitleid ins Zentrum einer Gesellschaft rücken sollen.

Regisseur Milan Peschel – bekannt als Schauspieler aus Film und Fernsehen und seiner Tätigkeit an der Volksbühne Berlin unter Frank Castorf – versteht das direkte, situativ-konflikthafte Schauspielertheater als Zentrum seiner Arbeit. Im Stücktext verarbeitet er einige Passagen aus Gorkis Erzählungen – jenen Texten, die Maxim Gorki auf seinen langen Wanderjahren durch das gesamte Russische Reich gesammelt und geschrieben hat und in denen das Lumpenproletariat in seiner ganzen Derbheit und seinem Leid im Mittelpunkt steht. Durch die Entwicklung einer extremen Direktheit in der Spielweise lässt Peschel die großen wie kleinen Konflikte und Situationen plastisch werden. Der Bühnenraum, den Magdalena Musial zusammen mit den Kostümen gestaltet, ist so leer gehalten, wie das Innere der Figuren in Gorkis Familiendrama: Eine Ahnung der einstigen Schönheit russischer Innenräume bleibt bestehen, aber alles ist auf seine Wesenhaftigkeit reduziert.