23. November 2018

Komödiantische Kapitalismuskritik: »Bezahlt wird nicht!« von Dario Fo

Premiere am Sa. 8. 12. 2018, Schauspielhaus/Bühne

Wenn am Sa. 8. 12. 2018 ab 19.30 Uhr im Schauspielhaus der Schlachtruf »Bezahlt wird nicht!« ertönt, dann feiert die italienische Farce von Dario Fo in der Regie von Peter Kleinert Premiere.

In seinem Stück »Bezahlt wird nicht!« verwob der italienische Autor Dario Fo Kunst und Sozialkritik wie kein anderer auf meisterhafte Art. In jedem Moment spürbar ist dabei sein Antrieb, den der Nobelpreisträger für sein Theaterschaffen proklamiert hat: »Die Macht, und zwar jede Macht, fürchtet nichts mehr als das Lachen, das Lächeln und den Spott. Sie sind Anzeichen für kritischen Sinn, Fantasie, Intelligenz und das Gegenteil von Fanatismus. Ich bin nicht mit der Idee zum Theater gegangen, Hamlet zu spielen, sondern mit der Absicht, ein Clown zu sein, ein Hanswurst.« In seinen pointierten Dialogen und grotesken Situationen offenbart Fo mit einem zwinkernden Auge nicht nur aktuelle gesellschaftliche Missstände, sondern fragt auch nach der Verantwortung jedes Einzelnen.

Denn die Ausgangssituation erscheint durchaus nachvollziehbar: Beim Wocheneinkauf stellen mehrere Frauen fest, dass die Preise übermäßig gestiegen sind. Deshalb wollen sie nur das bezahlen, was sie vor der Preiserhöhung bezahlt haben – schließlich sogar gar nichts mehr, sprich: umsonst einkaufen. Also plündern sie den Supermarkt und tragen ohne zu bezahlen nach Hause, was in die Tüten passt. Doch dort angekommen, müssen die skrupellosen Rebellinnen das Diebesgut nicht nur vor der Staatsgewalt verstecken, die umfassende Hausdurchsuchungen angekündigt hat, sondern auch vor ihren ahnungslosen, gesetzestreuen Männern. Mit dem Versuch, die Beute aus der überwachten Wohnung zu schaffen, entspinnt sich ein absurdes Verwirrspiel um vorgetäuschte Schwangerschaften und vermeintlich gestorbene Polizisten. 

Einige Monate nach der Uraufführung des Stücks wurden die fiktiven Umstände real. Wagemutige Systemkritiker setzten den Kampf gegen die Preistreiberei, wie er zuvor auf die Bühne gebracht wurde, in die Tat um. In der Konsequenz wurde Fo der Aufhetzung zur Kriminalität bezichtigt.

Regisseur Peter Kleinert zeigt eindrucksvoll die Zeitlosigkeit des nahezu politischen Stoffes. Durch das permanente Aufbrechen der imaginären vierten Wand, der offenen Seite zum Publikum, u. a. durch Interaktion mit dem Publikum und viele Slapstick-Einlagen, schafft er ein besonderes Theatererlebnis. Unterstützt wird er dabei von Christiane Hercher und Henrike K. Fischer, die mit Bühnenbild und Kostümen die triste, graue Welt des hier gezeigten Prekariats präsentieren. Durchbrochen von Farbklecksen, die die bunte kapitalistische Warenwelt erahnen lassen, erkennt man bereits in diesen Elementen den Konflikt, der für die Beteiligten allgegenwärtig zu sein scheint. Dieser komödiantische Theaterabend mit seiner italienischen Leichtigkeit und clownesken Überspitzung garantiert Lachmuskelkater.