Nachruf auf Cornelia Crombholz

 

Immer spielt ihr und scherzt? ihr müßt! o Freunde! mir geht dies
In die Seele, denn dies müssen Verzweifelte nur.
Friedrich Hölderlin
(Lieblingsgedicht von Cornelia Crombholz)

 

Bestürzt und zutiefst betroffen hat das Theater Magdeburg vom Tod seiner ehemaligen Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz erfahren. Die gebürtige Hallenserin verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit am 25. Oktober 2019 im Alter von 53 Jahren. Cornelia Crombholz wurde im allerengsten Freundes- und Familienkreis beigesetzt.

Wir trauern mit ihrer Familie, mit ihren Freunden und Weggefährten um eine starke, leidenschaftliche, intelligente, sensible und humorvolle Theaterfrau. Generalintendantin Karen Stone lernte Cornelia Crombholz bereits in Graz kennen: Hier inszenierte sie »Der Bürger als Edelmann« im Schauspielhaus unter der Leitung von Matthias Fontheim.

Ab den 90er Jahren arbeitete Cornelia Crombholz mehr als zwei Jahrzehnte als freie Regisseurin an zahlreichen Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum. 2013/2014 wurde sie Schauspieldirektorin in Rostock. Ihre Magdeburger Schauspieldirektion von 2014 bis 2019 führte sie dann zu einer intensiven theatralischen Beschäftigung mit ostdeutschen Themen und Perspektiven. Dafür standen die Uraufführungen von »Spur der Steine« von Dagmar Borrmann nach dem Roman von Erik Neutsch (2014), »Kruso« von Dagmar Borrmann nach dem Roman von Lutz Seiler (2015) sowie im April 2019 »Düsterbusch City Lights« nach dem Roman von Alexander Kühne, von ihr und David Schliesing wiederum für die Bühne bearbeitet.

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten ihre Magdeburger Shakespeare-Interpretationen von »Was Ihr wollt« (2013), »Romeo und Julia« (2014) und der Uraufführung von »Ein Sommernachtstraum« (als Musicalfassung zusammen mit David Schliesing) 2018.

Einen deutschlandweit beachteten Erfolg erzielte Cornelia Crombholz mit der Uraufführung von »Die Präsidentin« nach dem gleichnamigen Comicbuch von François Durpaire und Farid Boudjellal, von Cornelia Crombholz und David Schliesing für die Bühne bearbeitet, mit Corinna Harfouch in der Titelrolle (2018). Ihr Engagement für das Theater der Ukraine, das in dem von ihr kuratierten Theaterfestival »Wilder Osten – Ereignis Ukraine« (2016) gipfelte und ihre damit verbundene theaterpolitische Arbeit bleiben ebenfalls unvergessen.

Im Musiktheater debütierte Cornelia Crombholz mit Janáčeks »Jenůfa« (2011), zugleich ihr Debüt am Theater Magdeburg. Fibichs Oper »Die Braut von Messina« (2015) und das Musical »Ein Käfig voller Narren« (2016) folgten. Für März 2020 war noch die Inszenierung von Kurt Weills und Bertolt Brechts Oper »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« geplant.

Die Arbeiten von Cornelia Crombholz hatten immer etwas Rauschhaftes, Dionysisches, einen Festcharakter und große emotionale Dichte. Cornelias Umgang mit starker Musik und Bildhaftigkeit ließ eine Theaterästhetik entstehen, die hinter den Kulissen im Zusammenwachsen der künstlerischen Ensembles, der technischen Gewerke und der organisatorischen Teams aller Crombholz-Inszenierungen ihre Entsprechung gefunden hat. Das Theater von Cornelia Crombholz wird als politisch, sinnlich und unersetzbar kraftvoll in Erinnerung bleiben.

Wir werden Cornelia Crombholz in ihrer menschlichen, motivierenden und freundschaftlichen Art sehr vermissen und ihr stets ein ehrendes Andenken bewahren.