Antonio Gades

Choreografie

Antonio Esteve Ródenas, später bekannt unter dem Künstlernamen Antonio Gades, wurde 1936 in Elda (Alicante). Im Alter von 15 Jahren nahm er in Madrid Tanzstunden, um als Tänzer im bescheidenen Ambiente eines Kabaretts anzufangen. Liebe zur Tanzkunst spielte dabei eine untergeordnete Rolle: »Zum Tanz kam ich angetrieben vom Hunger.« Sein Talent blieb jedoch nicht unentdeckt, schließlich wurde er der Tanz-Ikone Pilar López Júlvez empfohlen, die nach dem frühen Tod ihrer Schwester Encarnación, genannt »La Argentinita«, 1945 deren Tanzkompanie übernommen hatte. Gades genoss eine gründliche Ausbildung in klassischem Tanz, kam aber durch die lokal inspirierten Choreografien auch mit populärem spanischen Tanz und Flamenco in Berührung. Schnell stieg er zum Ersten Solotänzer auf und ging mit der Kompanie auf zahlreiche Gastspieltourneen. 1961 verließ er die López-Kompanie mit dem Gedanken, eine eigene Tanzkompanie zu gründen, was er nach Intermezzi in Italien und Frankreich 1963 in Madrid realisierte. Zu Beginn bestand das Ballet de Antonio Gades lediglich aus einer Tänzerin und zwei Tänzern sowie dem Gitarristen Emilio de Diego, der die musikalische Seite der Choreografien wie später auch zu »Bluthochzeit« gestaltete. 1974 erlebte Gades’ Choreografie »Bluthochzeit« nach Federico García Lorca ihre Uraufführung in Rom. Nach einer Anstellung am Ballet Nacional de Cuba wurde Gades 1978 Chefchoreograf des Ballet Nacional Español, wo ihm trotz großer Publikumserfolge nach zwei Jahren gekündigt wurde. Stattdessen konzentrierte er sich wieder auf die Arbeit mit seiner unabhängigen Kompanie und begann die Zusammenarbeit mit dem Filmregisseur Carlos Saura. Daraus gingen die Verfilmungen von »Bluthochzeit« (1981), »Carmen« (1983, im folgenden Jahr für den Oscar nominiert) und »El amor brujo« (»Der Liebeszauber«, 1986) hervor. 1988 wurde Gades als erster Tänzer überhaupt mit dem spanischen Nationalpreis ausgezeichnet. Seinen letzten großen Choreografieerfolg feierte er 1994 mit »Fuenteovejuna«; letztmals trat er 1996 im Londoner Sadler’s Wells Theatre in »Carmen« auf. Nach langer Krankheit starb Gades 2004. Kurz nach seinem Tod konstituierte sich die Fundación Antonio Gades, die heute Nachlass und Choreografien verwaltet.