Currently there are no futher known events.

TOD DER TREUHAND

Stückentwicklung von Carolin Millner
Uraufführung

Wiederaufnahmedatum

folgt

 

Schauspielhaus Studio

Die Wiedervereinigung verbindet sich für viele Ostdeutsche mit einem Trauma der Kolonisierung und Deindustrialisierung im Namen der Treuhandanstalt. Eingerichtet mit der Intention, einen nachhaltigen Umgang mit den mehr als 8.500 Volkseigenen Betrieben zu finden, der die Anteilsrechte der DDR-Bürger*innen wahrt, mutierte die Treuhand unter bundesrepublikanischer Verwaltung in den Augen Vieler zur Goldgräber- und Totenanstalt: Privatisierung und Abwicklung, Elitentransfer und Fachkräfteabwanderung. Allein das Magdeburger Kombinat SKET, das größte Schwermaschinenbau-Unternehmen der DDR, musste in diesem Zuge einen Verlust von 10.000 Arbeitnehmer*innen hinnehmen. Das Feindbild des westdeutschen Schreibtischtäters mit schwarzem Aktenkoffer kulminierte in der Ermordung des Treuhand-Präsidenten Detlev Rohwedder, zu der sich die RAF bekannte und die mit angeblichen Stasi-Verwicklungen ähnlich mythologisiert wurde wie die Treuhand selbst.

In ihrer Stückentwicklung findet die Regisseurin Carolin Millner eine spielerisch überhöhte Übersetzung für das Aufeinanderprallen zweier Systeme in der Wiedervereinigung. Anhand einer Gruppe von Menschen, die miteinander verbunden sind durch ihre Arbeit im Magdeburger SKET, das radikal von den Sanierungsmaßnahmen zur Wettbewerbsfähigkeit betroffen ist, erzählt sie eine Geschichte von zerbrechenden Gemeinschaften, unsicheren Übergängen sowie neuen Träumen.


Diese Inszenierung entstand unter Berücksichtigung der coronabedingten Auflagen.

Regie Carolin Millner
Bühne, Kostüme Maylin Habig
Musik Jacob Bussmann
Dramaturgie Caroline Rohmer


Aufführungsdauer: 1:20 h (ohne Pause)

Pressestimme


Über Wasser, unter Wasser

Die Sprache bleibt durchgängig sehr authentisch in den Texten, aus denen Millners Team das Stück entwickelt hat, als Gemisch aus Verzweiflung im Niedergang und Energie beim Aufbruch in die neue West-Welt repräsentiert das Material die Geister der Zeit: besonders nachdrücklich in einer kleinen Unterrichtsstunde über die Kunst des Klinkenputzens als Vertreter und Verkäufer und gegen Ende im Rückzugsmonolog einer in die Arbeitslosigkeit entlassenen SKET-Mitarbeiterin, die nun den eigenen Garten als feste Burg zum Rückzugs- und Überlebensraum erklärt. Aber ob sich die Betroffenen und Getroffenen nun der Verzweiflung überlassen oder das neue Leben wirklich erobern wollen um jeden Preis: Alle sind sie gezeichnet von der Katastrophe. Sie waren in Lebensgefahr.

Michael Laages Die Deutsche Bühne online

28. 9. 2020