Die Andere

Sidney Corbett

Kammeroper in acht Szenen
Libretto von Christoph Hein
Kompositionsauftrag des Theaters Magdeburg
Uraufführung

»Nichts? Nichts? Sara, wo ist mein Sohn?«
Abraham

Abraham wurde prophezeit, dass er Stammvater eines Volkes werde. Doch seine Position ist bedroht: Seine Frau Sara hat keinen Sohn geboren. Sie schlägt ihm vor, stattdessen ihre Magd Hagar zu schwängern. Tatsächlich wird Hagar schwanger und auch Sara erwartet wider alle Erwartungen ein Kind. Abrahams Machtansprüche scheinen gesichert, aber die Saat des Konfliktes – nicht nur zwischen den beiden Frauen – ist gelegt.

Nach ihrer ersten erfolgreichen Zusammenarbeit mit »Noach«, 2001 uraufgeführt in Bremen, haben sich der amerikanische Komponist Sidney Corbett und der deutsche Schriftsteller und Dramatiker Christoph Hein erneut einem biblischen Stoff zugewendet. Sie entkleiden die Geschichte über den Stammvater der Juden und der Muslime ihrer religiösen Überhöhung und führen sie auf die Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens zurück: Wie skrupellos kämpfen wir um unsere Macht? Wie lebenswert ist eine Ordnung, die daraus resultiert?

Vorstellungen
Aktuell sind keine weiteren Termine bekannt.

Musikalische Leitung Michael Wendeberg
Regie / Bühne Ulrich Schulz
Kostüme Falk Bauer
Dramaturgie Ulrike Schröder

Abraham Roland Fenes
Sara Ks. Undine Dreißig
Hagar Julie Martin du Theil
Nachor Manfred Wulfert
Rat der Ältesten Kim Schrader, Kai Preußker, Paul Sketris

Magdeburgische Philharmonie


Video

Pressestimmen

Der Komponist Sidney Corbett schafft mit seiner Kammermusikbesetzung von 19 Instrumenten, überwiegend Bläser, einen hellen, dennoch durchdringenden Klangteppich. Michael Wendeberg dirigiert sehr sicher und mit feinem Gefühl für die vielen klangfarblichen Nuancen und prickelnden percussiven Elemente. [...] Die Besetzung konnte besser nicht sein. Roland Fenes hat den stimmlichen Farbenreichtum für den machtbewussten Stammvater wie den besorgten Ehemann wie den plötzlich um die schwangere Hagar herumturtelnden Genießer des späten Zweitfrühlings. Ebenso gelungen der Nachor Manfred Wulferts. Der abgefeimte Demagoge beturtelt die ängstlichen Räte und macht sie kriegsbereit; Kim Schrader, Kai Preußker, Paul Sketris als skurriles Terzett. Die beiden Frauen - Undine Dreißig als wohlsituierte Sara, Julie Martin du Theil als Mäuschen, das plötzlich die Hauptrolle bekommt - überstrahlen alles. Weiches Leuchten als gemeinsame betörende Grundfarbe und dazwischen genaue Akzentuierungen.

Irene Constantin, Volksstimme, 21. 3. 2016

Die besonderen Bühnenkonstellation – das Orchester mit acht Streichern, zwei Schlagwerken und lauter Soloinstrumenten agiert auf der Bühne im Rücken der Sänger – macht zwei Dirigenten notwendig: Der musikalische Leiter Michael Wendeberg führt die Musiker, Jovan Mitic souffliert und dirigiert die Sänger aus der ersten Reihe. Beide halten die Szenen und Klänge fugenlos zusammen. [...] Zu klaren, melodiösen Gesangslinien setzt das Orchester nur vorsichtig Akzente, deutet mit Sirren und Schlägen Unheil an. Doch es gibt auch ein wunderbares Schlagwerk-Dialog zwischen rechter und linker Seite. Und wenn Abraham die Forderung nach seiner Absetzung mit wie Schläge gesetztem, wiederholten »Nie!« abwehrt, gibt es dazu dunkel-treibende Musik, die aggressiver und jazziger wird, je mehr er die Ältesten beschimpft. Da überzeugt das 85 Minuten kurze Werk dann szenisch und musikalisch.

Ute Grundmann, Die Deutsche Bühne online,
19. 3. 2016

Corbett hat eine wunderbar minimalistische, gleichwohl hochdramatische, die Spannung schürende Musik für diese Oper geschrieben, die in 90 Minuten nicht die Welt, aber einige ihrer Zusammenhänge erklären kann. Am Ende werden alle Akteure und das gesamte Team mit viel Beifall belohnt. Ein Erfolg, der verdient worden ist und nicht zuletzt auch der Neuen Musik ein paar neue Freunde beschert haben könnte. Oder zumindest ein paar Skeptiker weniger.

Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung,
22. 3. 2016

Es gehört zu den besonderen Leistungen der Inszenierung von Ulrich Schulz, der auch für die Bühne verantwortlich zeichnet, dies alles in einer Nüchternheit zur Darstellung zu bringen, die nicht für den Zuschauer das Geschehen auflöst. Schulz lässt dem Spiel den Platz, ist kein Theatererklärer. Er zeigt. Er deutet (an). Es genügen kleine Zeichen, um Gewalthandlungen darzustellen. Überhaupt will diese Inszenierung nicht das Problemfeld für jemanden lösen. Sondern man nimmt diese einerseits archaische
Thematik und andererseits moderne Situation ungelöst mit sich nach Hause. Politik und »das Menschliche« in einer Welt in der alle zu Dingen werden, die eine Aufgabe zu erfüllen haben und in Wirklichkeit daher auch nicht die Situation auflösen können, sind ein Bild. Das ist bedrückend. [...] Das Orchester unter der Leitung von Michael Wendeberg hat die schwierige Partitur, mit zahllosen Tempowechseln und ihrer rhythmischen Unklarheit tadellos umgesetzt. Was heute Orchester außerhalb der Theatermetropolen zu leisten in der Lage sind, ist erstaunlich. Diese Partitur hätte jedenfalls auch auf neue Musik spezialisierte Ensembles herausgefordert.


Martin Hufner, Neue Musikzeitung online,
19. 3. 2016